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„Schwarze Moderne: Afrika und die Avantgarde“

Neue Ausstellung im Kunstmuseum Pablo Picasso: Mehr als eine Frischzellenkur

Münster

Picasso sah afrikanische Masken und war begeistert. Er ließ gemeinsam mit seinen Avantgarde-Kollegen in Paris diese Eindrücke in ihre Kunst einfließen. Schwarze Künstler aus unserer Zeit haben hingegen Europa im Blick, wie die neue Ausstellung im Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt.

Von Harald Suerland

Die Betrachter aus Kongo wundern sich über kubistische Kunst: ein Gemälde von Maître Syms. Foto: The Jean Pigozzi Collection of African

Die europäischen Künstler waren fasziniert. In Paris, ihrer Welthauptstadt, lernten sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Masken aus verschiedenen Regionen Afrikas kennen, etwa durch Besuche der ethnologischen Sammlung im Trocadero-Museum. Einer von ihnen, der Spanier Pablo Picasso, ließ diese Faszination in ein Gemälde einwirken, das als Urknall des Kubismus gilt: die „Demoiselles d’Avignon“ aus dem Jahr 1907 mit ihren maskenhaften Gesichtern. Oder der Amerikaner Man Ray: Er fotografierte die Kabarett-Sängerin Kiki de Mont­par­nasse in verträumter Haltung und mit markantem Schwarz-weiß-Kon­trast neben einer afrikanischen Maske.

Im Kunstmuseum Pablo Picasso geht es jetzt um diese Faszination, diese „stilistische Frischzellenkur“ durch indigene afrikanische Kunst, wie Museumsleiter Markus Müller es nennt. Aber in Zeiten wichtiger Debatten um Aneignung und Restitution auch um mehr: Was macht es mit den Ursprungsländern, wenn ihre Werke nur als Anregung dienen, wenn ihre aktuelle Kunst kaum gesehen wird?

Darauf gibt der Maler Chéri Samba aus Kinshasa künstlerische Antworten: Blickfang und Plakatmotiv der Ausstellung ist sein Bild „Ich liebe die Farbe“, das MC Eschers berühmte Darstellung eines Gesichts als endloses Band paraphrasiert. Auf einem Triptychon wiederum hat er sich selbst neben dem Namensgeber des münsterschen Museums dargestellt, ihr Ziel ist eine Kunstausstellung im Centre Pompidou, und Samba fragt in den Texten auf seinen Bildern, ob Afrikas Kunst nur gesehen wird, wenn sie den Weg nach Europa findet.

Als „Trialog“ bezeichnet Kurator Alexander Gaude das gegenseitige Befragen indigener Werke, Werke der klassischen Moderne und globaler schwarzer Gegenwartskunst, das diese Zusammenstellung präsentiert. Der theoretische Überbau zieht zugleich schöne Schauwerte mit sich. Da findet sich im nächsten Raum als Leihgabe aus Paris Picassos Gemälde „Drei Figuren unter einem Baum“, das den „Demoiselles“ verwandt ist. Zwei fantasievoll gestaltete Holzmasken ziehen gleich zu Beginn der Schau den Blick auf sich, daneben zeigt der Fotograf John Edmonds, wie anders afrikanische Masken auf Fotos wirken, wenn zugleich ein schwarzer Arm gezeigt wird, der solch ein Objekt vors Objektiv hält. Im oberen Stockwerk wird nicht allein „Afrika auf der Bühne“ thematisiert, wovon eine große Tapisserie nach Fernand Légers Bühnenbild zum Ballett „La Creation du Monde“ kündet – sondern auch, wie ein Künstler aus Mosambik Tradition und Aktualität verbindet: Gonçalo Mabunda fertigt Masken aus Waffenschrott, etwa einem Gewehrkolben.

Mit wie viel Humor und Selbstironie aber auch die Fragen nach Aneignung und Rezeption thematisiert werden können, beweist Maître Syms mit seinem Gemälde „Ça c‘est quoi ?“ (etwa: Was ist denn das?), auf dem ein kongolesisches Paar staunend im Museum zwischen kubistischen Bildern à la Picasso steht und rätselt, ob da wohl eine Fabrik für Gitarren abgebildet sei. Ihre Kunst ist das offensichtlich nicht...

„Schwarze Moderne“ sowie die Schau aus Eigenbestand „Picasso: Die Schönen und das Biest“ sind bis zum 1. Mai zu sehen. Zu den aktuellen Debatten um afrikanische Kunst gibt es zudem eine Veranstaltungsreihe.

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