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Das Otto Modersohn Museum in Tecklenburg lädt zu einem Gang durch die Jahreszeiten

Mit dem Meister in Wald und Flur

Tecklenburg

Das Otto Modersohn Museum Tecklenburg meldet in diesem Herbst sich mit einer wunderschönen Schau zurück: Diesmal geht es unter der Überschrift „Die Natur ist stets kostbar“ mit Modersohn durch die Jahreszeiten. 32 großformatige Gemälde laden zum Schauen und Staunen ein.

Museumsgeschäftsführerin Uta Jenschke vertieft sich in das Gemälde „Herbstmorgen am Moorkanal“, das 1897 entstand und zu den besonders großformatigen Bildern der Tecklenburger Ausstellung zählt. Foto: Johannes Loy

Das „Otto Modersohn Museum Tecklenburg“ (OMMT) meldet sich mit einer neuen Ausstellung zurück – und das mit geballter Wucht. 32 Gemälde des mit dem Münsterland aufs Engste verbundenen Meisters Otto Modersohn (1865-1943) sind im feinen Museum der Festspielstadt zu sehen. Diesmal geht es unter der Überschrift „Die Natur ist stets kostbar“ mit Modersohn durch die Jahreszeiten.

Wobei sich Uta Jenschke, Geschäftsführerin des Hauses, beim Rundgang durch die wunderbare Schau mit durchweg großen Motiven nicht unbedingt an die Eindeutigkeit der Jahreszeiten klammert. Denn Modersohn lässt in seinen Landschaften und Naturbildern ja manches offen. Da ist ihm – zumal in seiner späteren Abstraktionsphase der 30er und 40er Jahre – eher das Spiel der Wolken, der Farbenrausch der Blätter und Bäume oder das Konturenspiel der Baumrinde ein besonderes künstlerisches und experimentelles Anliegen. In jedem Fall aber scheinen die Jahreszeiten in aller Regel durch und werden die Kulturfreunde beglücken.

Großformatig und passend beginnt das im ersten Raum mit der Herbstzeit. Und das größte Format des Raumes, der „Herbstmorgen am Moorkanal“, den Modersohn 1897 festhielt, nimmt den Betrachter mit seinem Farbenspiel gefangen. Gleich nebenan findet sich eine weitere Herbststudie, und das bunte Farbengeflirr aus Bäumen und Blättern deutet schon an, dass Otto Modersohn in seiner Spätphase weniger das reale Motiv im Blick, sondern mehr Interesse an offener Komposition sowie an Farben und Formen hatte. Der „Winterraum“ wird in den Monaten rund um Weihnachten vermutlich den meisten Charme versprühen. Wie Modersohn den Raureif auf zarten Ästen kleben lässt oder das Auge des Betrachters an das einzige beleuchtete Fenster eines bäuerlichen Gehöfts in dunkler Schneenacht lockt, das ist einfach meisterhaft.

Otto Modersohn: Bunter Blumenstrauß in gelbem Tonkrug, 1928 Foto: Johannes Loy

Auf den Sommer mit seinem flirrenden Licht und dem satten Grün werden wir noch eine Weile warten müssen, in Tecklenburg darf sich der Gast schon jetzt wieder an Feldern, Wiesen und Wäldern im Sonnenschein und an munteren Badeszenen erfreuen.

Oben unter dem Dach blüht derweil der Frühling und wird noch bunter durch einige Blumen-Stillleben des Meisters. „Ich entwickele immer mehr einen eigenen Stil für Blumensträuße. Sie werden immer reicher, phantastischer, geheimnisvoller – so ein Strauß ist eine Wunderwelt, phantastischer als die Natur da draußen, eine Märchenwelt, ein Feenreich“, so schwärmte der Maler 1933.

Nach Corona-Jahren und auch der strukturellen Frage in Tecklenburg, wie es denn mit dem Museum – zumal in der jahrelangen und bewährten Kooperation mit dem Modersohn-Museum in Fischerhude – weitergehen könne, schöpft die neue Ausstellung aus dem Vollen. Von den 32 Leihgaben stammen zwei aus der Kunsthalle Bremen, Galeristen und drei Privatsammler steuerten den Großteil der weiteren Gemälde bei. Die Signale stehen nach Auskunft von Uta Jenschke und von Dr. Wolfgang Weikert, Kulturmanager in Münster und im Freundeskreis des Museums aktiv, gut, dass sich die Bindungen zum Museum in Fischerhude künftig wieder enger knüpfen lassen. Wobei Weikert betont, dass unter Galeristen und sogar bei Privatsammlern im Dunstkreis Münsters noch zahlreiche Modersohn-Schätze schlummern, die es zu entdecken gilt.

Uta Jenschke und Dr. Wolfgang Weikert vor einem herbstlich-abstrakten Gemälde Modersohns. Foto: Johannes Loy

Auch in der schwierigen Corona-Zeit war das „OMMT“ mit Ausstellungen präsent geblieben und hatte dabei das Thema „Landschaft“ mit jungen Künstlern fokussiert. Solche Kombinationsausstellungen und Ausflüge in die aktuelle Kunst werde es auch künftig geben, heißt es unisono in Tecklenburg. Ziel müsse es nämlich auch sein, junge Museumsgäste zu locken. Trotz alledem bleibt Otto Modersohn, der Künstler mit Wurzeln in Soest und prägenden Jahren in Münster und dem Münsterland, das Standbein des gastlichen Hauses, das längst zur Zierde der Festspielstadt avanciert ist.

„Die Natur ist stets kostbar“. Mit Modersohn durch die Jahreszeiten. 1. Oktober bis 28. Februar 2023.

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