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Künstlerinnen-Forum in der Ausstellungshalle Hawerkamp

Mit der Kraft des Netzes

Münster

Dieses Netzwerk hat viele starke Seile. 65 sind es derzeit. Und 26 stellen in der Ausstellungshalle Hawerkamp aus. Das Künstlerinnen-Forum hat die Ausstellung mit dem Titel „Kunst schreibt Wände“ ausgeschrieben, und eine externe dreiköpfige Jury hat die zwei-, drei- und in jedem Fall vieldimensionalen Arbeiten ausgesucht. Mal geht es um Wände, mal ums Schreiben, aber immer um Kunst.

Gerhard H. Kock

Zartes Seidenpapier, sorgfältig gefaltet, sorgsam in- und aneinandergefügt – Ulrike Lindken hat ihren unverkennbaren Stil entwickelt und zur Perfektion gebracht. Bei „Kunst schreibt Wände“ sonnt sich eine Eidechse auf schwarzem Grund. Foto: Gerhard H. Kock

Das Künstlerinnen-Forum ist das Netzwerk für Frauen in künstlerischen Berufen. Aber zwei Männer gibt es doch. Die wurden bei dieser Petersburger Hängung nach oben verbannt oder in den Himmel gehoben . . . Kirsten Linnewebers gemalter „Säulenheiliger“ erscheint dort oben in einem Schwebezustand – sowohl körperlich als auch geistig. Ruth Stuckenbergs „Steinbeißer“ passt perfekt oben an das weiße Mauerwerk, hat den Mund noch voll Mörtel und scheint unaufhaltsam durch Wände fast schon zu diffundieren.

Bei Gertrudis Lux versteckt sich das Politische in einer scheinbaren Spielerei: Sie interveniert mit Malerei in Westermann-Wandbilder der Schulzeit, korrigiert, aktualisiert sie gleichsam. Auf der geografischen Typenlandschaft „Kanalstraße in Bangkok“ tummeln sich unter einem „Esso“-Schild landestypische Markt-Boote; doch hinter einer Brücke ist klein eine „Aida“ gezeichnet, ein Kreuzfahrtschiff droht. Ähnlich spielerisch wirkt Elisabeth Fellermanns Netz voller Augen. Hatte Göttin Hera die hundert Augen des Riesen Argus auf den Pfau überführt, so heißen die Riesen heute Amazon und Google; „Wir sehen dich“, heißt Fellermanns Installation. Wie ein biedermeierlicher Fluchtort wirkt der entzückende Bibliothek-Fisch mit Tür und Treppe von Sara McNamara. Dabei ist die Keramik „Rote Augen Fisch“ mit dem Bücherregal und der Leuchte im Bauch der Engländerin inspiriert von den 20 Tonnen toten Fischen im Aasee vorigen Sommer.

Ungewöhnliches an Materialien findet sich vielerorts in dieser Ausstellung. Manchmal versteckt. Monika Schmidts großformatige abstrakte Arbeit ist Malerei auf welligem Untergrund, filziger Karton und Wellpappe in einer Farbigkeit, die an den Kubisten Georges Braque erinnert. Kartons sind auch das Ausgangsmaterial von Sabine Swoboda. Doch sie schneidet indische Motive wie Schattenrisse in diese modulare Industrieware: Affen, Buddhas, Ornamente. Drei Haufen schwarzes Plastik stellt Veronika Teigeler aus. Ihre „Words without meaning“ sind gleichsam zerquetschte Wörter, Buchstaben, die geordnet geklebt mal Wörter waren, Sätze vielleicht. Nun sind sie das optische Kauderwelsch einer Skulptur. Surrealistische Assemblage stellt Daphne Wurzbacher vor: mit Küchenmesser und Schale auf schwarzem Blech hinter Kupferseilen dünn wie Haare. Ulrike Vetter zeigt Selbstporträts im Zeitkontrast: 1985 in neun fotografischen Selbstinszenierungen (Mädchen, Vamp oder Hausdrachen) und 2018 sich als Jesus hinter einem Zuschnittbogen von Burda.

Zum Thema

Die Ausstellung „Kunst schreibt Wände“ wird am Sonntag (7. Juli) um 15 Uhr in der Ausstellungshalle Hawerkamp 31 eröffnet. Sie ist bis zum 4. August samstags und sonntags von 15 bis 19 Uhr zu sehen. Eintritt frei.

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