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„Show Down“ beim Full Spin Festival im Pumpenhaus

Mit der Nabelschnur gefesselt

Münster

Eine gelungene Darbietung der Stuttgarter Formation Backsteinhaus Produktion zog das Publikum beim Full Spin Festival in ihren Bann. Dabei ging es um eine besondere Form der Geburt.

Von Helmut Jasny

Die elastische Nabelschnur holt den Darsteller immer wieder zurück. Foto: Alex Wunsch

Nackt kommt er auf die Bühne, in der Hand einen Stapel Zettel. „Don’t worry“, steht auf dem ersten, „I’m a performer“ auf dem zweiten. Die weiteren künden ein Experiment an. Er wolle zu seinen Wurzeln zurück, und das seien die Primaten. Ein solcher, in Form eines riesigen Gorillas, erscheint dann auf der Leinwand. Der Performer bewegt sich langsam auf ihn zu, reißt ein Loch in den Stoff und verschwindet im Bauch des Tieres. Eine umgekehrte Geburt gewissermaßen – oder, wie es im Programmheft heißt, eine Dekonstruktion unserer Spezies.

Mit „Show Down“ brachte die Stuttgarter Formation Backsteinhaus Produktion eine gelungene Mischung aus Tanz, Theater und Akrobatik auf die Pumpenhaus-Bühne. Nach der mühsamen Reise durch den Mutterleib hängt der Darsteller zunächst an seiner Nabelschur, von der er sich nur mit Mühe lösen kann. Immer wieder rennt er gegen seine Fesseln an, immer wieder wird er von dem elastischen Band zurückgeschleudert.

Es ist die Musik, die ihn antreibt

Es folgt eine Konversation mit dem Musiker, die mit Schmatz- und Pfeiflauten beginnt und sich dann zu einer Art Dschungelsinfonie verdichtet. Damit ist die Soundkulisse für den weiteren Verlauf geschaffen, in dem der Performer heftig gegen etwas antanzt. Es ist die Musik, die ihn antreibt. Gleichzeitig scheint er mit seinen Bewegungen aber auch die Musik zu bestimmen.

Man kann sich diese Wechselwirkung zwischen Individuum und Umwelt als Evolutionsprozess vorstellen, bei dem beide Seiten Veränderungen erfahren.

Experiment geglückt

Mit einem Sprung in ein weiteres Video gerät der Protagonist dann in eine Großstadt-Szenerie. Gehetzt läuft er durch die Straßen, bis er plötzlich auf ein Hindernis stößt und eingefangen wird. Ende der Selbstbestimmung oder Sieg der Zivilisation? Bei der Beantwortung dieser Frage hilft dem Zuschauer eine Videoschaltung in den Dschungel, wo eine Waldfamilie über Freiheit, Natur und den Vorteil von Instinkten referiert.

Dieser Chat mutet ein bisschen hippiemäßig an, scheint den Protagonisten aber zu überzeugen. In typischer Primatenhaltung saust er am Ende über die Bühne und besiegelt so seine Rückverwandlung in einen Menschenaffen. Experiment geglückt – sowohl auf inhaltlicher wie auch auf künstlerischer Ebene.

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