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Konzert in der Friedenskapelle: MoZuluArt und das Ambassade-Streichquartett

Mit Groove bei Mozart eingefädelt

Münster

Europäische Hochklassik und traditionelle afrikanische Zulu-Musik vertragen sich mitunter prächtig. Das zeigte ein ungewöhnliches Konzert in der Friedenskapelle.

Von Günter Moseler

Pianist Roland Guggenbichler sowie Vusa Mkhaya Ndlovu, Blessings Nqo Nkomo und Roben Mlauzi gesellten sich mit „Gospel aus dem südlichen Afrika“ zum Ambassade-Streichquartett (im Hintergrund). Foto: Günter Moseler

Ein paar Unsympathen hatte das Jahrtausendgenie Mozart auf seiner Opern-Liste: Monostatos in der „Zauberflöte“ gehört scheinbar dazu, er begehrt eine weiße Frau – und ist Schwarzer. Schon in der Oper gibt es aber Hinweise auf eine gerechtere Betrachtungsweise. In der Friedenskapelle demonstrierte das Ensemble „MoZuluArt“ nun eine Vision als Version moderner Zeiten: die multikulturelle Kombination europäischer Hochklassik mit traditionell afrikanischer Zulu-Musik.

Der österreichische Pianist Roland Guggenbichler sowie Vusa Mkhaya Ndlovu, Blessings Nqo Nkomo und Roben Mlauzi hätten jeder (lamm-)frommen Konzertgemeinde bierernsten Kunstsinn ausgetrieben, derart geriet die ausverkaufte Friedenskapelle in Groove und Swing. Der Pianist perlte zum „Warm-up“ mit improvisierter Hotellobby-Laune, dann geriet der Auftritt der drei Zimbabwer zur Routine spielend überflügelnden Kurskorrektur: Lebendige Musik! Bald betrat das Ambassade-Streichquartett die Bühne, tippte Guggenbichler mit bedächtigem Tempo Mozarts Klavierrondo D-Dur (KV 485) in die Tasten – in das sich die drei Herren mit ihren Stimmen improvisierend einfädelten. Plötzlich badete sich strenge Klassik im Morgenlicht unerwarteter Perspektiven, fegten Zulu-Klänge in flott artikulierten Silbenketten über Takte und Rhythmen hinweg.

Authentische Leichtigkeit, Geschmeidigkeit und Eleganz strahlten die „dancing-sessions“ der Sänger aus, die das Publikum spürbar zu Auflockerungen förmlicher Sitzpositionen inspirierten. Der „Gospel aus dem südlichen Afrika“ (Guggenbichler) übernahm die Führung, inklusive artistischer Einlagen, in denen synkopische Seitwärts-Steps dominierten und Beine himmelwärts flogen, während übers Klavier Glissando-Kaskaden rauschten. Das Streichquartett zupfte diskrete Pizzicati, als Vorsänger und Chorus zu genuin afrikanischer Musikkultur aufschlossen. Erste Zuhörer hielt es nicht mehr auf ihren Plätzen, man swingte mit – notgedrungen auf der Stelle.

Der Bann war gebrochen, jeder griff nach Versöhnung und Brüderlichkeit. Der Frage „Wollt ihr mitsingen?“ schallte jubelndes „Jaaaa“ entgegen, als die Männer aus Simbabwe ein Lied ihrer Heimat a cappella intonierten und später zum Mitsingen aufforderten: Angedeutete Harmonien und Perioden (zogen) das Publikum hin zum Evergreen „The Lion Sleeps Tonight“, dessen suggestivem Sog sich niemand entziehen konnte. Plötzlich schien die halbe Welt im Taumel. Die Friedenskapelle geriet aus dem Häuschen: Die Überschneidung der Kulturen legte Echoräume an Euphorie wie musikalischer Rasanz frei, die geschichtlichen Fortschritt durch Musik bewiesen: Der Mensch muss nur hinhören.

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