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Startenor Rolando Villazón plauderte im Theater Münster über seinen neuen Roman und sein Leben

Mit Mozart hätte er gern mal ein Bier getrunken

Münster

Nicht täglich kommen Startenöre nach Münster. Auf Einladung von Weverinck-Management war nun aber Rolando Villazón zu Gast. Er plauderte im Theater Münster nicht nur über seinen dritten Roman mit dem Titel „Amadeus auf dem Fahrrad“, sondern gewährte auch spannende Einblicke in prägende künstlerische Lebensstationen.

Von Johannes Loy

Tenor Rolando Villazón und Redakteur Harald Suerland im Gespräch. Foto: Johannes Loy

Zwischen einer Operngala in Prag und einem bevorstehenden Auftritt als „Loge“ im Rheingold an der Staatsoper Berlin bildete Münster die passende Zwischenstation: Startenor Rolando Villazón füllte auf Einladung von Weverinck-Management als temperamentvoller und herzlicher Erzähler am Donnerstagabend die Reihen des Kleinen Hauses. Dass sein Reisekoffer noch unterwegs war, während er schon auf der Bühne der Fahrradstadt Münster stand, konnte den stimmgewaltigen Gast nicht davon abhalten, frank und frei über sein neues Buch „Amadeus auf dem Fahrrad“ zu plaudern und Einblicke in das Woher und Wohin seines eigenen künstlerischen Lebens zu geben.

Das passende Fragengerüst dazu legte Harald Suerland, Kultur-Redakteur unserer Zeitung, auf. Der Abend mündete nach 90 Minuten in Villazóns Plädoyer, stets „in neue Räume einzutauchen“ und ohne Angst „Türen zu öffnen“. Dies sei nicht nur dem Künstler geboten, sondern jedem Menschen, der seine besonderen Talente zur Reife bringen wolle.

„100 Prozent Fiktion und 100 Prozent Autobiografie“, so definierte Villazón augenzwinkernd seinen dritten Roman, der die fiktionale Hauptfigur Vian in die Begegnung mit der großen Welt der Musik in Bayreuth und Salzburg führt.

Schauspieler Ilja Harjes (l.) las Auszüge aus Rolando Villazóns neuem Roman. Harald Suerland (r.) befragte den Gast zu seinem Buch sowie prägenden künstlerischen Erfahrungen. Foto: Johannes Loy

Schauspieler Ilja Harjes las dazu zentrale Passagen des Buches, und ein Schmunzeln ging durch die Reihen, als der junge „Vian“, von der Familie zur Kulturbegegnung nach Bayreuth verfrachtet, bei Wagners „Tristan und Isolde“ einschläft und schnarcht, später dann aber um so mehr emotional mitgerissen wird.

„Wagner ist wie ein Gebirge“, meinte Villazón dazu. „Zu Mozart möchte man am liebsten sagen: ,Komm, lass uns ein Bier trinken!‘“ Wo Villazóns Vorlieben liegen, wurde hier deutlich. Die Romanfigur Vian verwandelt sich seinem großen Vorbild schließlich so weit an, dass sie in einer Roman-Szene mit Mozart-Perücke durch die Terminals des Frankfurter Flughafens radelt und dabei vor dem geistigen Auge das Musik-Genie und dessen kurzes und heftiges Leben Revue passieren lässt.

Mit den passenden Stichworten führte Harald Suerland den Gast durch zentrale biografische Stationen. So erfuhren die gespannt lauschenden Gäste von der aus Österreich stammenden Urgroßmutter, die den kleinen Rolando in Mexiko auf die deutsche Schule schickte, oder von der Schwierigkeit, Tenöre und Baritone klar voneinander abzugrenzen. Prägende Begegnungen mit Anna Netrebko und Cecilia Bartoli in Salzburg kamen zur Sprache. Die glutvolle Italienerin ist nicht zuletzt deshalb Villazóns Vorbild, weil sie auch künstlerische Seitenpfade betritt und als Intendantin wirkt, was auch Villazón mit seiner Mozart-Woche in Salzburg vergönnt ist.

Dass Villazón seine Einfälle für die Bücher stets in kleine Schulhefte schreibt, löste ebenfalls Heiterkeit im Publikum aus. Eines davon zog der liebenswerte Gast zu Demonstrationszwecken aus der Tasche, als er im Foyer noch die zahlreich verkauften Bücher signierte.

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