Klasse Weber der Kunstakademie stellt 15 Vogelscheuchen auf

Mit Schrecken Angst vertreiben

Münster

Die Klasse Weber der Kunstakademie Münster hat sich dieser faszinierenden Figur angenommen. „Scaregrow“ heißt das Kunstprojekt. In Landschaften in und rund um Münster haben die Studierenden insgesamt 15 vogelscheuchenartige Skulpturen in Feldern und Wiesen aufgestellt.

Gerhard H. Kock

Über den städtischen und ländlichen Raum Münsters verteilt, haben die Studierenden der Klasse Weber der Kunstakademie Münster „Vogelscheuchen“ aufgestellt, die es zu entdecken gilt. Foto: Klasse Weber

Sie ist selten geworden, eine der seltsamsten Figuren der Kulturgeschichte und bei tieferem Nachdenken die Symbolfigur der Corona-Pandemie: die Vogelscheuche. In freier Wildbahn kommt sie in Westfalen praktisch nicht mehr vor. Als Sinnbild für lax gekleidete Menschen findet der Ausdruck gelegentlich noch Verwendung. Aufgestellt wird sie aus Angst (vor Ernteverlust). Schrecken soll sie verbreiten. Zusammengefasst: Mit Schrecken soll Angst bekämpft werden. Vielleicht ist das der Grund dafür, warum sich die Vogelscheuche im „Zauberer von Oz“ von Herzen ein Gehirn wünscht. Die Klasse Weber der Kunstakademie Münster hat sich dieser faszinierenden Figur angenommen. „Scaregrow“ heißt das Kunstprojekt unter der Devise „Unerwartet erwarten sie uns.“

In Landschaften in und rund um Münster haben die Studierenden insgesamt 15 vogelscheuchenartige Skulpturen in Feldern und Wiesen aufgestellt. Dort schieben die auffälligen Installationen inmitten von Getreide und Korn Wache. Trotz der Vielgestaltigkeit sind die Objekte als Attrappe, als Repräsentant des Menschen erkennbar – für Menschen. Ob sich das Getier davon beeindrucken lässt? Meist stellt sich auch bei den klassischen Jammergestalten aus alten Joppen und Knautschhut rasch Gewöhnung ein.

Zum Nachdenken regen die überraschend beim Spaziergang auftauchenden Skulpturen in jedem Fall an. Zumal jemand, der nicht weiß, dass hier Künstler am Werke waren, sich fragen kann, was der Bauer einem damit wohl sagen wollte, wenn auf einem Feld „Füttern verboten“ steht: Stichelt hier ein Landwirt in das diffizile Verhältnis von Mensch und Natur? Schließlich durften Tiere vor dem Anthropozän fressen, was die Wildnis ihnen ermöglichte. Heute ist dieses Schlaraffenland von Feldern und Weiden verboten, weil es Eigentümer gibt. Mitgemacht haben Pia Miriam Voss, Annemarie Lange, Stefan Leer, Sarah Jupe, Nele Breuers und Nicole Widner, Robin Bolt, Tineke Kaiser, Frederike de Graft, Jana Theml, Lena Homann, Johanna Thoss, Michelle Hennig, Shuji Inoue sowie Charlotte Drews.

Startseite