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Oratorienchor und Kourionorchester

Mitreißende Kirchenmusik aus Großbritannien

Münster

Die anglikanische Kirchenmusik dürfte eines der erfolgreichsten kulturellen Exportgüter Großbritanniens sein. Dieser Musik hatte der Oratorienchor der Universität am Sonntag ein Konzert gewidmet, mit dem auch der neue Chorleiter Mathias Staut sein Debüt gab. Und das war durchaus gelungen.

Regina Werbick

Der Oratorienchor in der Mutterhauskirche. Foto: Werbick

Von der Orgelbühne herab sang der Chor zu Beginn Brittens „Festival Te Deum“, sicher begleitet von Domorganist Thomas Schmitz. Die folgenden Anthems von Charles H. Parry entfalteten dann den ganzen romantischen Schmelz, wie man ihn etwa von Hochzeiten des britischen Königshauses kennt. Vom einstimmig vorgetragenen „Jerusalem“, längst so etwas wie eine inoffizielle englische Nationalhymne, ließen sich die Zuhörer zu spontanem Applaus hinreißen. Die Psalmvertonung „I was glad“ dagegen, die sich bis zu achtstimmig auffächert, forderte die Sänger in Punkto Ambitus und Intonation mehr. Hier wirkten die Männerstimmen etwas träge, die lang gehaltenen hohen Töne etwas angestrengt. Eine wohlverdiente Pause hatte der Chor dann auch während der „Suite lyrique“ von John Rutter. Harfenmusik, von Streichern begleitet: Das kann schnell kitschig wirken. Tat es aber nicht, weil Harfenist Jan Rentel und das Kourion-Orchester angenehm maßvoll mit musikalischen Ausdrucksmitteln umgingen. In den schnellen Sätzen stellte der junge Harfenist seine technische Souveränität unter Beweis.

Das letzte Werk des Abends war gleichzeitig der Höhepunkt des Programms: das „Magnificat“ von John Rutter. Hier war der Chor hörbar in seinem Element, sang die durch mitreißende Rhythmik geprägten schnellen Sätze präzise und mit homogenem Chorklang. Besonders gelungen waren auch die Piano-Passagen in den musikalischen „Zwiegesprächen“ mit Solistin Katharina van Nahmen. Die junge Sopranistin sang mit weichem, dunklem Timbre, konnte sich aber in tiefer und hoher Lage klanglich nicht ganz durchsetzen. Souverän und differenziert war das Dirigat des Chorleiters Mathias Staut, der mit den 60 Sängern und dem im Schlagwerk groß besetzten Kourion-Orchester ein beachtliches Ensemble zusammenzuhalten hatte. So stellt man sich das Debüt eines neuen Chorleiters vor. Die Standing Ovations in der voll besetzten Mutterhauskirche der Clemensschwestern zeigten: Dem Reiz dieser Musik kann sich kaum einer entziehen.

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