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Westfälisches Bach-Collegium

Musikalische Raritäten in der Erlöserkirche

Münster

Der Wahlabend war spannend, das gleichzeitige Konzert in der Erlöserkirche ein musikalisch anspruchsvoller Hochgenuss.

Das „Westfälische Bach-Collegium – light“ brillierte beim Konzert in der Erlöserkirche. Foto: Ute Luft

Zahlreiche Zuhörer ließen sich von der am vergangenen Sonntag parallel laufenden Verkündung der ersten Hochrechnung nicht davon abhalten, ihrer Hochachtung für J. S. Bach nachzukommen und das Konzert des „Westfälischen Bach-Collegiums – light“ in der Erlöserkirche zu besuchen. Es war alles andere als leichte Kost, aber luftig und entspannt dargeboten, eben Musik eines Meisters in weißer Perücke.

Lothar Wiedmann hatte Bearbeitungen und Rekonstruktionen zweier Cembalokonzerte und die im Mittelpunkt des Abends stehende Solo-Kantate „Ich habe genug“ (BWV 82) vorbereitet Im angenehm ruhigen Tempo der Eingangsarie und dem sehr dezent agierenden Streichsextett aus versierten Mitgliedern des Kourion-Orchesters, gelang es dem Solisten Stephan Hinssen, begleitet von Lisa Bröker an der Querflöte, die Zuhörer in die spezielle Atmosphäre der Musik hineinzunehmen. Auch in der zügig musizierten Schlummerarie und der tänzerisch ausgeführten Schlussarie („Ich freue mich auf meinen Tod“) wusste der Solist durch Textverständlichkeit und differenziert-kontrastreiche Wiedergabe der Inhalte zu überzeugen.

Urfassung aus Bachs Köthener Zeit

Zu Beginn des Konzertes erklang eine Rekonstruktion des Konzertes für zwei Cembali und Streicher (BWV 1060), das wohl auf eine Urfassung aus Bachs Köthener Zeit für Oboe und Violine zurückgeht. In dieser dreisätzigen frühen Fassung spielten sich die Solisten Burkhard Schmidt (Violine) und Klaus Storm (Oboe) in den schnellen Ecksätzen zum Teil virtuos die melodischen Bälle zu, wussten aber auch in dem kantablen, über weite Strecken nur vom Pizzicato der Streicher begleiteten Mittelsatz, einfühlsam zu phrasieren. Lothar Wiedmann sorgte mit sparsamen, aber präzisen Handbewegungen für den angemessenen Tutti-Klangteppich.

Sinfonischer Klangeindruck

Er selbst hatte auch die Umarbeitung des Konzertes für drei Cembali (BWV 1064) vorgenommen, die ursprünglich von Bach wohl für drei Violinen als Soloinstrumente besetzt worden war. Es ergab sich oft ein geradezu sinfonischer Klangeindruck, der den drei Solisten Gelegenheit auch zu virtuosem Passagenwerk gab. Lisa Bröker, Burkhard Schmidt und Klaus Storm behaupteten sich entschlossen zupackend, aber auch sensibel aufeinander reagierend sowohl als Solo- als auch als Gruppenspieler in diesem komplexen Werk.

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