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Pavel Svoboda spielte beim Orgelsommer in der Lambertikirche vortrefflich

Perlender Mozart, suggestiver Janáček

Münster

Der Orgelsommer in Münster hat es in sich. Am Samstag gastierte der tschechische Organist Pavel Svoboda in der Lambertikirche. Mit Mozart und Bach zum Beispiel. Aber es lohnte sich besonders, auch mal genauer in tschechische Orgelmusik hineinzuhören.

Von ChristophSchulte im Walde

Der tschechische Organist Pavel Svoboda an der Orgel der Lambertikirche in Münster Foto: Schulte im Walde

Wenn in Zusammenhang mit Orgelmusik von „Toccata“ die Rede ist, geht es eigentlich nur um zwei Stücke dieser Gattung: entweder das von Charles-Marie Widor aus der Fünften – oder um die d-Moll-Toccata von Johann Sebastian Bach. Letztere hatte Pavel Svoboda am Samstag in der Lambertikirche aufs Notenpult gestellt. Und obgleich man diese Töne schon tausend Mal gehört hat, reißen sie stets aufs Neue mit. Svoboda, der Gast aus Tschechien, präsentierte Bach genau richtig als jugendlichen „Sturm und Drang“-Virtuosen!

Dass Bach allerdings nicht als Genie vom Himmel gefallen war, zeigten zwei seiner frühen Werke: ein C-Dur-Präludium nebst Fuge und das Choralvorspiel „Erbarm dich mein“. Beide folgen Bachs Lehrmeistern Dietrich Buxtehude und Georg Böhm, beide werden selten einmal gespielt – aber beide lohnen sich.

Und es lohnt sich, auch mal genauer in tschechische Orgelmusik hineinzuhören. Bevor Pavel Svoboda sein erfreulich großes Publikum mit diesem eher entlegenen Repertoire aus seiner Heimat bekannt machte, gab es die erfrischenden Variationen über „Ah vous dirai je, Maman“ von Mozart. Das perlte! Und zeigte sowohl die brillanten technischen als auch die musikalischen Qualitäten des Interpreten aus Pardubitz, der tschechischen Universitätsstadt an der Elbe, wo jene Kammerphilharmonie beheimatet ist, die Pavel Svoboda seit 2019 leitet.

Verhalten, ja fast schon etwas schwermütig ließ Svoboda Johannes Brahms’ „Herzlich thut mich verlangen“ durch das Kirchenschiff fließen, bevor mit Miloslav Kabeláčs d-Moll-Fantasie herbere Töne dominierten. Harte Akkordschläge, permanente Bewegung. Da war jede Menge los! Durchaus ähnlich jenem Perpetuum, das Leoš Janáček im Postludium seiner großen „Glagolitischen Messe“ ausbreitet. Ein großes Orgel-Solo von suggestiver Kraft, dem Svoboda an Glanz und Größe nichts schuldig blieb. Kabeláč und Janáček – zwei Meister, deren Orgelmusik man viel mehr Wertschätzung entgegenbringen sollte.

Originell abschließend auch Pavel Svobodas Zugabe nach dem großen Beifall für dieses sommerliche Konzert: Er wiederholte schlicht und einfach die letzten sieben, acht Takte aus Bachs Toccata. Gar keine schlechte Idee. Denn Bach ist immer mitreißend. Auch wenn man’s schon tausend Mal gehört hat!

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