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Nur schwer konsumierbar: Jan Decortes neue Produktion im Pumpenhaus

Röcheln, wimmern, blubbern

Münster

Jan Decorte, der belgische Autor und Regisseur, hat wieder Station in Münster Pumpenhaus gemacht: Diesmal hatte er die Tanzperformance „„Blood Ltd by Bloet – nie werde ich den Tod vergessen“ im Gepäck. Ein nicht leicht zu konsumierendes Stück. Hier steht, warum.

Von Helmut Jasny

Recht schleppend ging es auf der Bühne zu Foto: Danny Willems

Jan Decorte steht am linken Bühnenrand und röchelt, während Ika Schwander wimmernd am Boden kauert und Oumar Dicko seine langen Glieder zittern lässt. Rechts schraubt sich Sigrid Vinks langsam in die Höhe. Das dauert eine Zeit. Decorte scheint derweil eingenickt, reagiert dann aber mit einem kehligen „Aaaaah“. Später wird Vinks von Schwander an die Rampe getragen, wo sie ebenfalls wimmernd liegenbliebt, während Dicko seine Beine verknotet. Das passiert in Minute 23. Ein Zuschauer verlässt den Saal.

„Blood Ltd by Bloet – nie werde ich den Tod vergessen“ nennen Jan Decorte und Sigrid Vinks ihre Tanzperformance, die am Freitag im Pumpenhaus deutsche Erstaufführung hatte und dabei einen eher gemischten Eindruck hinterließ. Einerseits geht es recht schleppend zu auf der Bühne, und das Bewegungsvokabular ist auch nicht gerade überwältigend. Andererseits entwickelt das Ganze schon einen Sog. Allerdings erst nach einiger Zeit, und man muss sich darauf einlassen können.

Worum geht‘s? Im Programm ist von der „Dichte eines schwarzen Lochs“ und einer „eigenen Theatersprache“ die Rede. Inhaltlich schweigt es sich aus. So wie die Protagonisten aneinander rumhantieren, wie Babys auf dem Boden liegen oder auch mal über die Bühne laufen und dabei röcheln, wimmern und knurren, hinterlassen sie einen eher düsteren Eindruck.

Aber eine Stimmungskanone war Decorte noch nie. Auch wirken die jeweiligen Handlungen oft unentschlossen und improvisiert – tasten, ausprobieren, wieder ablassen. Einmal gibt es von Vinks eine Poptanz-Einlage. Das sieht lustig aus und ist erfrischend anspruchslos, aber nach ein paar Sekunden schon wieder vorbei.

Nach der Pause, in der die Protagonisten unbeirrt weitergemacht haben, nimmt das Ganze doch noch Fahrt auf. Dicko läuft im Kreis, Schwander schlägt Purzelbäume und Decorte fängt jetzt auch noch an zu blubbern.

Am Ende liegen dann alle irgendwie übereinander. Eine eigene Theatersprache ist das zweifelsohne. Aber auf keinen Fall eine leicht zu konsumierende.

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