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Domorganist erinnert an deutsch-französischen Komponisten

Schmitz spielt Schmitt im großen Stil

Münster

Schon mal was von Georg Schmitt gehört? Wahrscheinlich nicht. Der Brahms-Zeitgenosse hat in Münster studiert und ging dann nach Paris, wo er als Organist Furore machte. Domorganist Thomas Schmitz spielte jetzt im Paulusdom Werke seines Beinahe-Namensvetters.

Chr. Schulte im Walde

Thomas Schmitz Foto: Christoph Schulte im Walde

Das Handwerk als Komponist hat er solide beherrscht, und seine Musik wird den Geschmack der Pariser Großbürger im sechsten Arrondissement gewiss getroffen haben: Georges Schmitt, 1821 in Trier als Georg Schmitt geboren, 1844 nach Paris übergesiedelt, zuvor einige Jahre lang in Münster vom damaligen Domorganisten Joseph Antony d. J. ausgebildet. Schmitts Orgelmusik, am Samstag von Thomas Schmitz im Paulusdom zu neuem Leben erweckt, vertritt den damals typischen Stil, der auch die Musik im Gottesdienst geprägt hat: galant, mit freundlich schwingenden Melodien, zackigen Wumm-Tata-Rhythmen und feierlichen Akkorden. Geistlich, weltlich – den Unterschied gab es nicht wirklich.

Spürbar in Schmitts „Magnificat solennel“ oder im „Grande Marche“, der Begleitmusik zu einer Prozession. Ihre Wirkung wird sie in Saint-Sulpice, der zweitgrößten Pariser Kirche, an der Schmitt gewirkt hat, keineswegs verfehlt haben. Zumal an der 1862 fertiggestellten Riesenorgel von Aristide Cavaillé-Coll, die mit ihren (damals) 100 Registern auch heute noch den Ruf als eines der eindrucksvollsten Instrumente auf dem Globus genießt.

Süffig-bukolische Klänge

Schmitts mal süffige, mal bukolische Klänge gefielen auch unter den Händen und Füßen von Thomas Schmitz, der seine Domorgel mit Trompeten und Posaunen jubeln ließ, ein Solo der Oboe inklusive. Eingangs präsentierte er Johann Sebastian Bachs F-Dur-Toccata - ein wahrhaft österliches Virtuosenstück. Nicht „geradeaus“ gespielt, nirgends mechanisch, ganz im Gegenteil: Schmitz gestattete sich viel Rubato, Non-Legato, Leggiero oder wie auch immer man es nennen mag. Das sorgte für Lebendigkeit im Ausdruck. Man könnte darüber streiten, ob es womöglich zu viel an Agogik gewesen sein mag. Aber im Hinblick auf die Akustik im Dom war die Dosis goldrichtig!

Und für die französische Orgeltradition hat Thomas Schmitz ohnehin immer schon ein gutes Händchen. So auch für „Toccata, Fugue et Hymne“ über das gregorianische „Ave maris stella“ von Flor Peeters, der zwar Belgier war – aber sich klar der französischen Tradition verpflichtet fühlte. Wenn auch mit deutlich persönlichem Einschlag und eigener Färbung. Eine packende, schillernde Paraphrase ganz aus dem Geist großer Kathedralmusik für Orgel. Lebhafter Beifall war dem Hausherrn über Münsters Domorgel sicher.

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