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Wolfgang Stefan Schwaiger singt im Jovel

Schönes Timbre in allen Stimmlagen

Münster

Die Philharmonie Ein-Klang unter Leitung von Joachim Harder und der Sänger Wolfgang Stefan Schwaiger gestalteten ein gemeinsames Konzert im Jovel.

Von Chr. Schulte im Walde

Joachim Harder (l.) als Dirigent und Wolfgang Stefan Schwaiger als Sänger standen im Mittelpunkt des Konzertes. Foto: Schulte im Walde

„Ich bin der Welt abhanden gekommen“ – Abschiedsstimmung liegt über dem Gedicht von Friedrich Rückert. Und eine abgedunkelte Atmosphäre beherrscht die ruhig fließende Musik, mit der Gustav Mahler diese Verse vertont hat.

Diese Stimmung gilt es zu treffen, erst dann ist man Rückerts „Weltgetümmel“ enthoben. So wie am Sonntag beim Konzert der Mikro-Philharmonie Ein-Klang, die in der Jovel Music Hall nicht nur einen betörend intensiven Klangteppich ausbreitete, sondern mit Wolfgang Stefan Schwaiger auch einen erstklassigen Solisten für die Bariton-Partie aufzubieten hatte.

Schwaiger fühlte sich sensibel ein in Mahlers Musik, auch in die übrigen vier Rückert-Vertonungen. „Ich atmet‘ einen linden Duft“ bekam frühlingshafte Leichtigkeit, „Liebst du um Schönheit“ leuchtenden Schmelz. Das schöne Timbre des Sängers zog sich durch alle Stimmlagen, von unten bis hin zur Höhe, die ganz natürlich klangen.

In einem Rückert-Lied geht es um Tod und Leben, woran Schwaiger ausdrucksmäßig keinen Zweifel ließ. Das war durch und durch bewegend. Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre „Die Hebriden“ endet weder im Himmel noch in der Gruft, sondern auf der Inselgruppe vor Schottland. Von ihr hatte sich der Komponist inspirieren lassen, von derem kühlen, rauen Klima, das Dirigent Joachim Harder plastisch spürbar werden ließ.

Geheimnisvolles umgibt die Musik

Auch etwas von dem Geheimnisvollen, das diese Musik umgibt. Für die elf Bläser (Holz und Blech) bietet sie reichlich Entfaltungsmöglichkeiten, die Hand voll Streicher geraten mitunter eine Spur ins Hintertreffen angesichts dieser Bläser-Dominanz. Ganz anders in Wolfgang Amadeus Mozarts „Jupiter-Sinfonie“: eine halbe Stunde Hochspannung, in der die Saiteninstrumente von Violine bis Kontrabass jede Menge zu tun bekommen und dieses Pensum mit atemberaubender Kraft schultern.

Joachim Harder als Klangmagier, der alles zusammenhielt, auch die höchst diffizilen rhythmischen Klippen dieser Partitur. Mozart schöpfte hier aus dem Vollen.

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