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Performance von „Skills“ im Pumpenhaus

Siegerpose auf Papier

Münster

Ein weißer Papierberg ist am Bühnenrand platziert. In ihn lässt sich hineinkriechen; wenn man von innen dagegenschlägt, plustert er sich auf. Man kann ihn aber auch einfach wegschieben und darauf herumklettern, als stünde man auf einem schneebedeckten Gipfel. Ausgestattet mit improvisierten Fahnen und in Siegerpose wirkt das dann wie eine Staue aus realsozialistischen Zeiten.

Isabell Steinböck

Was Camilla Milena Feher und Sylvi Kretschmar alias „Skills“ im Pumpenhaus auf die Bühne bringen, wirkt wie eine Materialstudie, auch wenn sich die beiden Performerinnen einem konkreten Thema verschrieben haben. „Pionier Geist“ ist der Titel ihres verspielten, mitunter bemüht wirkenden Stücks. Eine Produktion aus aufwendiger Soundtechnik und einer Vielzahl von Requisiten, die dafür sorgen, dass der Abend nicht langweilig wird.

Da ist zum Beispiel der Haufen zerknülltes Papier, in den beide Darstellerinnen eintauchen, um dann, wie Menschen bei ihren ersten, naiven Flugversuchen, mit ausgebreiteten Armen über die Bühne zu rennen. Ihr Sprung auf den Papierberg hat etwas Sorglos-Fröhliches. Eine Windmaschine bringt Atmosphäre in das Bühnenstück, wenn eine der beiden Darstellerinnen eine lange, durchsichtige Folie an zwei Stöcken hereinträgt wie eine Trophäe. Oder wenn die beiden Frauen, auf dem Plastik liegend, über den Boden kriechen, als seien sie in schwerstes Unwetter geraten. Einer der wenigen dramatischen Momente, der sich mit Inhalt füllen lässt, was auch daran liegt, dass das Duo keine Miene verzieht und mehr posiert, als dass es sich fließend bewegt. Dafür sorgen Geräusche und Musik für angespannte Stimmung, etwa, wenn Feher und Kretschmar Papier vor Mikrofonen zerreißen und sich auf diese Weise über die Akustik etwas Schneidend-Brutales transportiert.

Am Ende stellen die Darstellerinnen zwei Bambusstab-Konstrukte gegeneinander, umgeben von einem Rahmen aus Papierfetzen, den sie mit Hilfe von Windmaschine und Holzlatte flugs auf die Bühne gebracht haben – vielleicht als Sinnbild des „netzwerkenden Erneuerers“, auf den sich ihr Programm bezieht.

Alles in allem eine kurzweilige Kunstperformance, die allerdings neben einigen schönen Bildern kaum tiefer geht. Aber das will sie ja vielleicht auch gar nicht.

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