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Webber-Musical „Aspects of Love“ feiert Premiere in Münster

Simple Story und flaue Töne

Münster

Andrew Lloyd Webber hat in seinem Musical „Aspects of Love“ Liebeswirren thematisiert. Doch die Story ist eher simpel und die Musik eher flau. Aus dem Stoff wird auch im Theater Münster bei bestem Regie-Bemühen und schönem Bühnenbild kein Knaller.

Von ChristophSchulte im Walde

Nettes Duell mit Degen und Tennisschläger: Mark Roy Luykx als Alex und Katja Berg als Rose Foto: Martina Pipprich

Die Geschichte ist eigentlich ziemlich simpel: Der junge Engländer Alex verliebt sich bei einem Besuch 1947 in Paris in die eher drittklassige Schauspielerin Rose. Beide finden zueinander und reisen gen Frankreichs Süden ins verlassen geglaubte Anwesen von Alex’ Onkel George. Dieser aber überrascht die beiden – und verguckt sich wie sein Neffe in Rose. 14 Jahre später wiederholt sich das Ganze, wenn auch unter veränderten Beziehungsverhältnissen.

Dies sind die Verwicklungen, die Andrew Lloyd Webber in seinem Musical „Aspects of Love“ entfaltet. Am Mittwoch feierte das selten gespielte Stück Premiere in Münsters Theater. Regie führte Carsten Lepper, der mit dem Werk bestens vertraut ist, schließlich stand er in der Rolle des Alex bei der Schweizer Erstaufführung im Jahr 1999 selbst singend auf der Bühne!

Carsten Lepper erzählt die Story geradlinig. Auch dort, wo sie etwas vertrackt wird. Denn nach den vielen Jahren ist Onkel George zu Roses Gatten geworden, beide haben eine Tochter namens Jenny, die sich für Alex interessiert. Und dann ist da noch Giulietta, Georges Geliebte. Das klingt kompliziert, ist aber auf der Bühne sehr gut nachvollziehbar. Das ist der Pluspunkt dieser Inszenierung: Man muss nicht lange grübeln – die emotionalen Verflechtungen werden augenscheinlich! Ein großer Wurf ist auch das Bühnenbild von Charles Quiggin. Vor allem sind es die ständigen Szenenwechsel, die virtuos und elegant gelingen. Viel mehr Spannendes außer den wechselnden Bildern bieten die „Aspects“ aber auch nicht. Was klar an Lloyd Webbers Stück liegt. Es ist musikalisch dürftig und meilenweit von Krachern wie „Jesus Christ“ oder „Evita“ entfernt. Ein paar bitonale, in das eher eindimensionale klangliche Kontinuum eingestreute Sequenzen helfen der Musik nicht über deren Behäbigkeit hinweg. Lloyd Webber kupfert ab bei Jacques Offenbachs „Hoffmann“ und John Kanders „Cabaret“. Auch Puccini muss der Komponist während der Arbeit oft gehört haben. Frappierend! Henning Ehlert, Münsters neuer Erster Kapellmeister, koordiniert Bühne und Orchester perfekt, kann aber auch nichts für den Sound aus dem Graben, der mitunter sogar im Operettenton daherplätschert.

Sängerisch ist die Produktion solide gelungen. Katja Berg als Rose und Deike Dorrelmann als Jenny sind typische, geschmeidige Musical-Stimmen, hier allerdings mit der Tendenz, in der Höhe intonationsmäßig zu verrutschen. Mark Roy Luykx gibt den Alex als unbekümmerten jungen Lover mit klar geführtem Tenor, Floor Krijnen ist eine durch und durch probate Giulietta, Gregor Dalal wie immer eine sichere Bank als Onkel George.

Carsten Leppers ordentliche Regiearbeit wird „Aspects of Love“ allerdings nicht retten können. Dafür gibt es viel zu viele andere, deutlich bessere Musicals. Dennoch gab es tosenden Applaus des Premierenpu­blikums, nachdem sich die Liebesverhältnisse geklärt hatten.

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