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„Storytelling Hands“ von Michael Kestin im Urban Club P 41

Spuren erzählen vom Gestalten

Münster

Hände sind ein Wunder – in den Fotografien von Michael Kestin haben sie ihren großen, künstlerischen Auftritt. Und Künstler mit ihren gestalterischen Arbeiten gleich mit.

Von Gerhard H. Kock

Michael Kestin stellt in seinem Projekt „Storytelling Hands“ Künstler der Region mit ihren gestalterischen Arbeiten vor. Foto: Gerhard H. Kock

Fast jeder Mensch hat zwei davon und nutzt sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und manch einer gar auch noch die Nacht hindurch. Der aufrechte Gang hat ihnen Freiheit gegeben, Dinge zu begreifen, Materie zu gestalten: den Händen. Michael Kestin hat den Händen ein Projekt gewidmet, lässt Finger, Flächen und Haut Geschichten erzählen, Geschichten ihrer Eigentümer – Künstler aus der Region. Auf einer Website sind eindrückliche Fotos sowie kleine Videoclips zu sehen, und für ein paar Tage stellen sich der Foto- und Videograf sowie die Porträtierten am Prinzipalmarkt im Urban Club P 41 vor.

Die Fotografien und Videos auf der Website erzeugen Ehrfurcht für die Arbeit mit der Hand, zeigen gestaltende Hände in Anmut und Würde. Doch Kestin hat über seine berührenden Bilder hinaus eine Intention. Der studierte Musiker und Innenarchitekt und kreative Kopf möchte ein Zeichen für einen bewussten regionalen Konsum setzen. In der Ausstellung sind die Künstler jeweils mit einem ihrer Werkzeuge, einem Objekt und einer Bilder-Serie von Kestin vertreten.

Tragbares Industriedenkmal

Einige Künstlerinnen haben die Fotos zudem noch bearbeitet. Schmuckdesignerin Andrea Schmidt hat die Schwarzweiß-Fotos ihrer Hände mit Hammer oder Feuer bearbeitet, zum bunten Leuchten gebracht. Und kann zugleich erzählen, was zeitgenössischer Schmuck bedeutet: Beim Fundstück Eisenpellets zur Roheisenherstellung vom Fundort Hochofenwerk Phoenix West in Dortmund hatte sie ein „Fundgefühl: Neugier, Faszination, Verbundenheit“ und schuf daraus in ihrer Goldschmiedewerkstatt ein tragbares Industriedenkmal.

Mathias Kirchhoff fängt, während er kunstvoll einzigartige Schalen drechselt, in seinen Händen Engelshaar auf, feinste Späne. Manfred Röwekamp und Hans Stumpe praktizieren ökologisches Bauen, zeigen im P 41 ein hölzernes Maßwerk-Fenster und haben spontan die Ausstellungsarchitektur gestaltet, in dem sie für jeden Künstler eine Packdecke aus rohbuntem Vlies an der Wand befestigt haben, was gut in den derzeitigen Rohbau des Ladens passt.

Herzensprojekt

Ein Dutzend der 15 Hände-Porträts von Michael Kestin sind am Prinzipalmarkt zu sehen. Das Projekt ist offen, soll weitergehen – ein „Herzensprojekt“. Die Hände arbeitender Menschen, die Kestin zeigt, sind Landschaften, geprägt und geworden durch Leben, eine gestaltende Lebendigkeit legt hier Zeugnis ab. Und hinter den Händen gibt es zudem noch mehr Geschichten von jenem Geist, der diese Hände bewegt, der gestalten will. Sie wollen erzählt sein . . .

Die Ausstellung ist bis zum Freitag (23. Dezember) jeweils von 12 bis 18 Uhr im Urban Club P 41, Prinzipalmarkt 41, zu sehen.

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