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„Vom Fußball Regeln abgeguckt“

Staatsministerin Monika Grütters beim Redaktionsbesuch in Münster

Münster

„Mir fehlt die Musik am meisten!“ Kulturstaatsministerin Monika Grütters muss keinen Augenblick nachdenken, wenn sie nach ihren persönlichen Einschränkungen zur Kultur in der Corona-Zeit gefragt wird.

Harald Suerland

Kulturstaatsministerin Monika Grütters beim Redaktionsbesuch in Münster. Foto: Jürgen Christ

„Mir fehlt die Musik am meisten!“ Kulturstaatsministerin Monika Grütters muss keinen Augenblick nachdenken, wenn sie nach ihren persönlichen Einschränkungen zur Kultur in der Corona-Zeit gefragt wird. „Beethoven, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wurde: Seine Werke zu hören ist eine universale Form der Welterfahrung, auf die wir gerade verzichten.“ Selbst der neuen Saison in der Berliner Philharmonie sieht sie mit gebremster Freude entgegen, lässt Grütters beim Besuch unserer Redaktion durchblicken, weil nur 25 Prozent Zuhörer in den Saal hinein dürfen. „In Zürich spielen sie vor deutlich weniger freien Plätzen. Dabei haben die Schweiz oder Österreich ja ebenso mit Corona zu kämpfen.“

Alles fair zu gestalten und alles so sinnvoll zu verplanen, „dass wir keinen Cent der Steuergelder falsch ausgeben“, sei eine wesentliche Herausforderung. Da gehen dann etwa Knowhow und Geld in die Corona-gerechten Belüftungsanlagen kleiner Programmkinos, erklärt Monika Grütters und beginnt im gleichen Atemzug, vom „Cinema“ in Münster und den vielen kulturellen Qualitäten ihrer westfälischen Heimatstadt zu schwärmen: Immer wieder sei sie erstaunt und erfreut, wenn unabhängige überregionale Jurys ihre Preise ins Münsterland vergeben. Und weil der Wettbewerb der Regionen und auch der Bundesländer miteinander zur Vielzahl und Vielfalt der „geistigen Tankstellen“ in Deutschland beiträgt, hält sie dem Prinzip des Föderalismus die Stange. „Bei Wissenschaft und Kultur funktioniert er“, betont Monika Grütters, gibt aber auch zu: „Die 16 Länder zusammenzubringen, ist mühsam.“ So dass es schon mal hilft, wenn die Ministerin beispielsweise auf Gutachten der Berliner Charité über Aerosolbelastung beim Singen und Musizieren und notwendige Mindestabstände verweisen kann.

Was Corona indirekt bei den Künstlern etwa durch Theaterschließungen anrichtet, hat Monika Grütters auch im engeren Familienkreis erfahren: „Meine Schwester ist Profitänzerin – diesen Menschen nehmen wir, wenn sie nicht proben und auftreten können, wertvolle Lebenszeit.“ Um so glücklicher ist sie, dass ihre Kabinettskollegen die Bedeutung der Kultur und damit der Hilfe für Künstler verstanden haben. „Was im künstlerischen Bereich passiert, übersteigt die Interessen des Einzelnen: Wir brauchen nicht nur das Affirmative, sondern auch die Zumutung“, bringt sie die Bedeutung der Kunst für die Gesellschaft auf den Punkt. Und um das möglich zu machen, schaut sich das Kulturministerium auch gern mal in anderen Bereichen um. „Von der Fußball-Bundesliga haben wir uns Regeln für das Filmen abgeguckt“, erzählt Monika Grütters und nennt als Beispiel eine „Quasi-Quarantäne“: Dabei werden die Künstler zwar nicht kaserniert, dürfen aber nur im privaten Auto zwischen Wohnung und Wirkungsstätte pendeln. „Oder auf dem Fahrrad“, ergänzt die Ministerin aus Münster lachend.

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