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Anschläge

Attacken gegen Kunst nehmen zu: Museen wappnen sich gegen Aktivisten

Berlin/Den Haag/Münster

Nach den jüngsten Attacken gegen Kunst sind Museumsleute beunruhigt. Sicherheitssysteme werden überprüft, das Personal wird instruiert. Doch eine absolute Sicherheit gibt es in einer offenen Gesellschaft nicht.

Von Antje Rauch und Johannes Loy

In der Dresdner Gemäldegalerie klebten sich Ende August Aktivisten an den Rahmen des weltbekannten Raffael-Gemäldes „Sixtinische Madonna“.

Nach dem Angriff von Klimaaktivisten auf ein Gemälde von Claude Monet greift Empörung um sich – aber auch die Angst vor weiteren Attacken auf kostbare Kulturgüter. Am Donnerstag (27.10.) wurden im niederländischen Kunstmuseum Mauritshuis drei Klimaaktivisten nach einer Attacke auf ein Gemälde von Johannes Vermeer festgenommen. Ziel war offenbar das weltberühmte Gemälde des holländischen Meisters „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ (1665-1667). Es wurde nach Angaben des Museums nicht beschädigt. Einige Säle des Hauses seien vorsorglich geschlossen worden, teilte die Polizei mit.

Viele Museen hätten ihre Vorkehrungen bereits verstärkt, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Museumsbundes, David Vuillaume, in Potsdam. Allein mehr Wachpersonal einzustellen, sieht er nicht als Lösung. Bei solchen Vorfällen sei der Stresspegel der Mitarbeiter sehr hoch. „Darauf müssen wir die Mitarbeiter vorbereiten und sie auch psychologisch begleiten“, sagte Vuillaume.

Anweisungen für Sicherheits- und Aufsichtspersonal

Erste Maßnahme im Potsdamer Museum Barberini, wo das Gemälde „Getreideschober“ (1890) am Sonntag mit Kartoffelbrei beschüttet wurde: Das Museum bleibt für einige Tage geschlossen. „Wir werden in dieser Zeit überlegen, wie wir die Sicherheit erhöhen können“, sagte Museumsgründer und Kunstmäzen Hasso Plattner. Aber nicht nur in Potsdam macht man sich derzeit Gedanken, wie man die wertvollen Kunstschätze künftig vor derartigen Attacken sichern kann – auch in anderen großen Häusern wird beratschlagt. Ist das Sicherheitskonzept noch zeitgemäß?

Vor der großen Barbarossa-Ausstellung in Münster, die am Donnerstagabend ihre Pforten öffnete, wurde auch der Direktor des Landesmuseums, Dr. Hermann Arnhold, auf die akute Sicherheitslage angesprochen. „Wir sehen das mit großer Sorge“, antwortete Arnhold. Das Sicherheits- und Aufsichtspersonal sei entsprechend instruiert und sensibilisiert worden. Die Frage nach zusätzlichen Handtaschenkontrollen stellte sich jedoch zunächst nicht. Hinweise auf die Sicherheitstechnik im Haus gibt Arnhold aus guten Gründen nicht, um Aktivisten gar nicht erst auf dumme Gedanken zu bringen.

Wie können sich Museen schützen?

Fakt ist: „Der Übergriff auf ein Werk der Sammlung Hasso Plattner ebenso wie vorangegangene Attacken auf Kunstwerke, unter anderem in der National Gallery in London, haben gezeigt, dass die hohen internationalen Sicherheitsstandards zum Schutz der Kunstwerke bei aktivistischen Übergriffen nicht ausreichen und angepasst werden müssen“, teilte Barberini-Direktorin Ortrud Westheider, die früher auch Kuratorin am Landesmuseum in Münster war, zu der für die Zeit bis zum 30. Oktober angekündigten Schließung des Hauses mit. Zu dem Angriff hatten sich Aktivisten der Klima-Protestgruppe „Letzte Generation“ bekannt. Sie fordern entschlosseneres Handel gegen den Klimawandel.

Klimaaktivisten beschmierten ein Monet-Bild im Potsdamer Museum Barberini mit Kartoffelbrei. Foto:

Wie sieht Sicherheit in der Praxis aus? Gehören Notfallkoffer mit Schutzdecken und Klebstofflöser bald zur Ausstattung eines Aufsehers? „Wir haben unser Personal für mögliche Szenarien sensibilisiert. Unsere konkreten Vorkehrungen möchten wir aus Sicherheitsgründen nicht offenlegen“, sagt eine Sprecherin des Kunstmuseums Lenbachhaus in München, das bekannt ist für seine Kunst des Blauen Reiter.

„Es sind bereits jetzt keine größeren Taschen im Museum erlaubt. Wir denken darüber nach, wie wir noch aufmerksamer sein können, besonders im Blick darauf, welche Dinge die Besuchenden mitführen“, so Stefan Weppelmann, Leiter des Museums der bildenden Künste in Leipzig. Museen in Nordrhein-Westfalen wollen Besucher am Eingang stärker kontrollieren. Eine Sprecherin der Kunstsammlungen NRW sagte: „Wir haben uns mit anderen Museen und betroffenen Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht und einen Notfallplan entwickelt.“

Weitere Angriffe auf wertvolle Kunst

Im Frankfurter Städel entsprechen die Sicherheitsstandards den „höchsten internationalen Vorgaben“, teilte das Kunstmuseum mit. Ende August hatten sich dort zwei Klimaaktivisten mit jeweils einer Hand an dem Rahmen eines großen Gemäldes festgeklebt.

Die Attacken auf das Museum Barberini in Potsdam und das Frankfurter Städel sind jedoch nicht die einzigen Angriffe auf wertvolle Kunst. Erst Mitte Oktober hatten Klimaschützerinnen Vincent van Goghs „Sonnenblumen“ von 1888 in der Londoner National Gallery mit Tomatensuppe beworfen. Das Gemälde war allerdings mit Glas geschützt, beschädigt wurde nur der Rahmen.

Das Potsdamer Museum Barberini schloss für einige Tage seine Pforten, um die Sicherheitslage zu überprüfen. Foto: Soeren Stache
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