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Zan Yamashita im Pumpenhaus

Tänzer sieht Japan in der Zwangsjacke

Münster

Ein Maler in rotem Blaumann steht auf der Bühne und führt ein skurriles Gespräch mit seiner Leiter. „Wer sind Sie?“, will das Metallgestänge wissen. „Was machen Sie?“ Eine Frage, die sich angesichts der Performance dieses japanischen Butho-Tänzers Kim Itoh wohl mancher Zuschauer stellt, schließlich wirft der Künstler so ziemlich alles über den Haufen, was man mit Butoh-Tanz in der Tradition eines Kazuo Ohno verbindet. Anstelle von Stille und kontemplativer Bewegung setzt Choreograph Zan Yamashita das Wort. Unentwegt spricht Kim Itoh auf Japanisch mit seinem Publikum (die Übersetzung ist auf eine Leinwand projiziert), für seine Kunst fehlen ihm jedoch die Begriffe.

Isabell Steinböck

Kim Itoh zeigte im Pumpenhaus aktuelle japanische Tanz-Performance. Foto: Company

„Namaeganai“ (There is no name) ist der Titel dieser ungewöhnlichen Tanzperformance, die im Pumpenhaus als europäische Erstaufführung auf die Bühne kam. Ein skurriles Stück, das wirkt wie der innere Monolog eines Mannes, der seine Gedanken fließen lässt, während er weiße Striche auf die Leinwand pinselt und sich dabei leise wundert. Etwa über Kinder, die in sozialen Netzwerken zuhause sind und die reale Gesellschaft mühsam über Workshops im so genannten Reiskuchen-Kids-Café kennen lernen müssen. Oder über Erwachsene, die für ihr Glück in (bei Japanern so beliebten) Pachinko-Spielen Schlange stehen, anstatt ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Wenn Kim Itoh seine Faust in die flache Hand schlägt, simuliert er amerikanische Militärflugzeuge, die im Touch-and-Go-Modus durch die Luft kreisen. Lässt er seine Hand von unten gegen die andere klatschen, geht es um die Kon­trolle durch auftauchende U-Boote – Japan in der Zwangsjacke.

Rund eine Stunde übt Regisseur Zan Yamashita Kritik an Politik und Gesellschaft; dass er auf Groteske setzt, surreale Szenen einbindet und immer wieder neue Themen anspricht, macht das Stück überraschend und auf komische Weise unterhaltsam. Choreografisch hält sich Yamashita freilich zurück. Bewegungssprache ist sparsam eingesetzt und beschränkt sich auf kleine Handbewegungen oder verkrampfte Körperhaltung, die darin gipfelt, dass er Imaginäres ausspuckt. Abscheu eines Mannes, der Freiheit nur in der Fantasie zu finden scheint.

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