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Was macht eigentlich Joachim Förster?

Ohne Publikum ist Bühne nur Museum

Münster

wn

Joachim Förster Foto: Oliver Berg

Wie sieht Ihr (Corona-)Alltag derzeit aus?

Joachim Förster: Ich schreibe momentan an einer Serie, sie heißt „Licht – Die ganze Welt ist Bühne“ und spielt im Theaterkosmos. Es geht um ein zerstrittenes Provinzensemble, das am „Tapferen Schneiderlein“ probt. Teile kann man schon auf YouTube sehen, es wird schön.

Wofür haben Sie jetzt Zeit, wozu es vorher „keine“ Zeit gab?

Förster: Mein Geld zählen.

Welche positiven/ negativen Gewohnheiten haben Sie während des Lockdown entwickelt?

Förster: Kennen Sie Erfrischungsstäbchen? Es gibt Leute, die finden es geschmacklos, wenn man Schokolade mit aromatisiertem Zitronen- und Orangensirup füllt und dann in einen Kühlschrank legt – ich nicht. Seit Corona esse ich häufiger Erfrischungsstäbchen. Negative Gewohnheiten wüsste ich keine.

Wie halten Sie sich als Schauspieler derzeit fit?

Förster: Fragen sie meine Nachbarn. Jedenfalls werde ich seit neuestem im Treppenhaus konsequent angeschwiegen. Ich weiß nicht, ob aus Ehrfurcht oder Verachtung. Ist das nicht eigentlich dasselbe?

Welches besondere Gericht haben Sie in letzter Zeit für sich entdeckt bzw. kreiert?

Förster: Whiskey Sour.

Möchten Sie unseren Lesern ein Buch bzw. einen Film oder eine Serie empfehlen?

Förster: Ja: „Fauda“, eine israelische Serie. Die Komplexität des Nahost-Konflikts bekommt man selten so klug erzählt, es ist wahnsinnig gut gespielt und sehr, sehr menschlich. Sollte man aber auf hebräisch bzw. arabisch gucken.

Was vermissen Sie am meisten?

Förster: Die Bühne, die Bühne, die Bühne, die Bühne, die Bühne. Und das Publikum. Denn ohne das Publikum ist die Bühne nur ein Museum.

„Das Boot“ läuft auf verschiedenen Kanälen; was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an die Dreharbeiten zurückdenken?

Förster: Die Grenzenlosigkeit von Möglichkeiten. Die verrückten und einzigarten Menschen, die wir im Team hatten, ein paar sind enge Freunde geworden. Das wunderschöne Prag, ich habe dort fast sechs Monate verbracht, unzählige Nächte, ich liebe diese Stadt zu jeder Stunde. Als Karel Gott starb, haben alle zusammen „Být stále mlád“ gesungen. Besser wird‘s nicht!

Worin würden Sie – aus Schauspielerperspektive – den Unterschied zwischen der Arbeit am Theater und der beim Film beschreiben?

Förster: Film ist, so gesehen, die perfektere Lüge. Im Theater kann man sich als Darsteller mehr leisten, wenn man das Publikum einmal wirklich hat, dann ist es auch bereit, dem Spieler das eine oder andere zu verzeihen, es geht die Reise mit einem mit. Im Film ist unsere Sehgewohnheit ziemlich konservativ, da gilt nur das Gesetz des Naturalismus und alles, was da nicht reinpasst, empfinden wir als nicht gut gespielt. Man kann sagen: Film ist, wenn die Band ein Album aufnimmt, Theater ist, wenn die Band ein Konzert spielt. Die Großen können beides. Außer Bob Dylan, ich habe gehört, er soll live auf eine fast kultige Art schlecht sein. Aber selbst, wenn er live schlecht ist: Er ist immer noch Bob Dylan.

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