Straßentheater feiert Jubiläum „30+1“

Titanick wieder aufgetaucht

Münster

Fast wäre sie gesunken: Titanick aus Münster mit „k“ am Ende. Das Theater hat die Lockdowns der Corona-Pandemie, die Krise in der Kultur überlebt. Jetzt plant Titanick einen „open air summer“ . . .

Von Gerhard H. Kock

Wieder frei durchatmen – mit Vorsicht versteht sich: Münsters Straßentheater Theater Titanick stellte seinen Spielplan für den „open air summer“ in Münster vor, was Foto: Oliver Werner

Die „Titanic“ mag gesunken sein, das Theater Titanick nicht . . .  Das erste Plakat war gedruckt, tausende Zuschauer waren erwartungsfroh – und dann ging nichts mehr. Vor einem Jahr fiel die Wiederaufführung des Klassikers „Titanic“ zum 30-jährigen Bestehen von Titanick ins Wasser, von den Lockdowns der Pandemie verschluckt. Der ganze Theater-Tanker drohte, unterzugehen. Doch Clair Howells und Uwe Köhler funkten „SOS“. Der Notruf wurde gehört. „Die Münsteraner haben das Schiff wieder aus dem Wasser gehoben“, freut sich Howells am Mittwoch im Gasometer, wo das Straßentheater seinen Spielplan „open air summer“ vorstellte: drei Produktionen an drei luftigen Orten.

Vorher gab es zum Geburtstag Lobreden: von „Ihr seid uns kostbar und wichtig“ (Oberbürgermeister Markus Lewe) bis „Der wichtigste Beitrag vom Theater Titanick für Münster ist die Entniedlichung der Stadt“ (Pumpenhauschef Ludger Schnieder). Und niedlich soll Münster nicht werden. Mit Marie Nandico und Georg Lennarz steht die nächste Generation in der künstlerischen Leitung parat, und Uwe Köhler verriet schon mal, dass Titanick am EU-Projekt „Caravan Europe“ mit fünf Partnern aus fünf europäischen Ländern sowie dem Chaos Computerclub arbeitet.

Upside down

Zunächst aber legt sich Titanick in diesem Sommer mit drei Stücken in die Riemen:

Upside down (2. und 3. Juli in der York-Kaserne): In einer sieben Meter hohen, in alle Richtungen beweglichen Kugel werden Wände wie Grenzen und Werte verschoben. Vor dem Hintergrund populistischer Tendenzen weltweit verhandeln drei Performer in dieser Weltkugel Eigensinn und Machtgehabe. Die beiden Vorstellungen können derzeit jeweils 200 Zuschauer sehen.

Titanic (18. bis 21. und 26. bis 28. August): In dem Klassiker von 1993 wird die 20 Meter breite und 40 Meter lange Titanick-„Titanic“ in der Werft-Atmosphäre des Gasometers mit apokalyptischer Lust und 30 000 Liter Wasser (pro Vorstellung) den legendären Untergang vor Augen führen. Es gibt sieben Aufführungen für derzeit 500 Zuschauer pro Vorstellung.

Trip over

Trip over (24. und 25. September in der Innenstadt): Ein Auto, das hüpft und steht, eine Leinwand mit Video-Projektionen und Live-Videos – der wilde ­Roadtrip von Lola und ­Ocean in die Ferne und zu sich selbst führt das Theater Titanick in ästhetisch neue Welten. Die beiden Vorstellungen können derzeit jeweils 200 Zuschauer sehen.

Alle Aufführungen (Beginn jeweils 21 Uhr) finden unter den dann aktuell geltenden Bestimmungen der Coronaschutzverordnung statt. Für „Upside down“ gibt es ab Montag (14. Juni) Tickets, für „Titanic“ Ende des Monats. Karten gibt es ausschließlich online.

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