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Jahresausstellung der Ateliers Schulstraße 43

Trauer – Schönheit – Nachdenklichkeit

Münster

Ukraine, Krieg, Pandemie – die Künstler der Schulstraße 43 haben sich mit den Zeitläuften beschäftigt.

Von Gerhard H. Kock

Ruppe Koselleck hat in Münsters Emsbunker rätselhafte Mahnmalplatten für Kriegstote entdeckt.

Ruppe Koselleck ist „reich“ geworden: „Das ist mir peinlich.“ Putins Kriegs-Imperialismus hat für das Kunstprojekt „Feindliche Übernahme von BP“ eine unbeabsichtigte Folge: Koselleck malt aus Ölresten an Stränden Bilder. Von deren Erlös kauft er seit 2001 kontinuierlich Aktien des umweltverschmutzenden Mineralölkonzerns mit dem absurden Ziel, eines Tages die Aktienmehrheit zu haben. Kosellecks BP-Aktien sind nun durch die gestiegenen Energiepreise im Wert enorm gestiegen. Koselleck ist ungewollt „ein Kriegsgewinnler“. Das ist künstlerisch tragisch und absurd.

Pandemie und Krieg – die Zeitläufte schlagen sich in den Ateliers der Schulstraße 43 massiv nieder. Die 17 Atelierbesitzer und ihre 14 Gäste zeigen zur Jahresausstellung an diesem Wochenende aktuelle Arbeiten. Koselleck präsentiert auch jene Grabsteine, die er eine Woche vor Kriegsbeginn (24. Februar) im Emsbunker gefunden hat. Ein seltsamer Fund, weil es vermutlich Mahnmalplatten für Kriegstote des Zweiten Weltkriegs sind, die damals von Bildhauerlehrlingen zu Übungszwecken erstellt wurden.

Susanne von Bülow setzt ihre Serie „Bütten auf Beton“ demnächst in Mexiko-City fort. Auf Säulen der Doppeldecker-Autobahnen wird dann eine junge Frau durch einen Streifen-Vorgang mit „Zucker-Schädel“-Motiv schreiten; diese Calavera dienen der Ahnenverehrung. Die Vorlage für das exotische Motiv hat von Bülow in einem münsterischen (!) Baumarkt erworben.

Wasserfall aus Sonnenblumen

Mit Trauer beschäftigt sich auch Ulrich Haarlammert. In seinen Mehrfachbelichtungen hat er diesmal 40 Aufnahmen gemacht, um auf einem kleinen Wasserfall Sonnenblumen treiben zu lassen. „Für Katrin“ heißt das Foto. Anrührend traurig sind die Foto-Bildkästen von Nikola Hamacher. Sie hat Fotos jener ukrainischer Orte gegoogelt, die in den Schlagzeilen des Krieges sind: Charkiv, Kiew, Mariupol, Fotos aus Friedenszeiten, Menschen in Cafés. Die bange Frage kriecht unter die Haut: Was ist dort jetzt? Wer noch da?

Mit der Pandemie hat sich Luzia-Maria Derks beschäftigt, Masken von Münsters Straßen gesammelt und gereinigt, Abrissfolien der Corona-Testflüssigkeit in den Testzentren sammeln lassen. Aus Masken und Gardinenstangen hat sie platonische Formen der vier Elemente zu Mobiles verbaut und aus den kleinen Aluplättchen die „Blume des Lebens“ erstellt.

„Wohlgewachsenes Unkraut“

Es gibt aber das tröstlich Schöne auch. Christine Rokahrs Atelier atmet die lichte Natur einer Sommerwiese, und es gibt neue Rotkehlchen-Bilder. In der Natur ist ebenfalls Esther Rutenfranz unterwegs, wenn sie „wohlgewachsenes Unkraut“ auf Holzplatten zeichnet oder eine Baumkrone im Wasser spiegeln lässt.

Lisa Tschorn ist Performance-Künstlerin und zeigt Dokumentationen ihrer Arbeit – unter anderem einen Imagefilm ihrer künstlerischen Praxis, der wiederum selbst ein Kunstwerk ist.

Öffnungszeiten: Samstag von 13 bis 20 Uhr und Sonntag von 13 bis 18 Uhr. Am Sonntag um 14 Uhr gibt es eine Matinee mit Katharina Schröder (Gitarre) und Georg Heinrichs (Klarinette).

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