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Starker Gesang, grandiose Parodien

Udo Lindenberg mit Sahne

Münster

Wer beim Stichwort „LaLeLu“ an Rühmann-Rührseligkeiten dachte, mit denen man zur Adenauer-Zeit musikalisch ins Bett gebracht wurde, dachte falsch. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine der furiosesten A-cappella-Gruppen der Republik. Drei Herren, eine Dame – und kein Schlaflied weit und breit. Die Themen, Stile und Witze wechselten bei dem Quartett bei jeder Nummer aufs Neue. Das schlug das Publikum bei schönem Wetter vor dem Pavillon in den Bann, und mancher schlug sich auch auf die Schenkel. Ein toller Abschluss der Kabarett-Reihe im Schlossgarten.

Arndt Zinkant

Mein lieber Schwan! Auch eine Opernparodie haben „LaLeLu“ drauf. Foto: Arndt Zinkant

Zuerst ein bisschen Warmwitzeln, und bereits die dritte Nummer ist ein veritabler Kracher. Getreu dem Motto der Fernsehshow „Sing My Song“ werden hier die „zwei Udos“ aufeinander losgelassen: Jürgens und Lindenberg – so eng umschlungen, bis die Stimmbänder sich gleichsam verknotet haben. Der ganze Schlossgarten grinst, wenn der Mann mit dem schwarzen Hut „Griechischen Wein“ besingt – oder besser: im lässigen Lindenberg-Sound benäselt. Der Schlager-Udo ist hingegen schwerer zu treffen, revanchiert sich aber doch recht stilecht, wenn’s „hinterm Horizont“ unverdrossen weitergeht. Am Schluss steht es drei zu null für Lindenberg – „Aber bitte mit Sahne!“

Dass LaLeLu ihren A-cappella-Sound mit einer weiblichen Stimme auflockern (was eher unüblich ist), ermöglicht kuriose Witze. Sängerin Sanna Nyman geizt nicht mit Erotik und nimmt die Kollegen schelmisch an die Kandare. Da werden die Kerle mit Hipster-Brille, Bart und Mütze stracks zu „Hipster-Schlümpfen“, die mit Fistelstimme „Vader Abraham“ aus den Siebzigern nachsingen müssen. Klasse! Kein Wunder, dass Bass-Sänger Tobi unter „Höhenangst“ leidet, sobald die Kollegen ihn ins Falsett zwingen wollen.

Ein humoristisches Fest fürs Auge ist die „Sieben-Minuten-Oper“ im Ritter-Milieu; mit Schloss Neuschwanstein, Stoff-Schlachtross und Blut, das als Leine roter Taschentücher aus den Bäuchen quillt. Absurditäten-Pathos im Hanswurst-Gewande, aber toll gesungen. Überhaupt, die Parodien: Tobias Hanf (der Bass) kann so gut Stimmen parodieren, dass es für eine Solokarriere reichen würde. Ob Reiner Calmund, Boris Becker, Gerhard Schröder oder (am besten) Jürgen Trittin – er hat sie alle drauf. Ohne Gesang und Akkorde. Aber mit ist es natürlich schöner.

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