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Gitarrenfestival im Pumpenhaus

Umjubelte Saitenmeister

Münster

Das zweite, international besetzte Gitarrenfestival in Münster, zu dem Ernie Rissmann ins ausverkaufte Pumpenhaus eingeladen hatte, rief beim Publikum die pure Begeisterung hervor. Zu hören gab es eine gelungene Mischung unterschiedlichster Spielweisen und musikalischer Temperamente, allesamt perfekte Techniker und virtuose Meister ihres Fachs – zudem äußerst charmante und humorvolle Plauderer.

Michael Schardt

Gastgeber (v.l.): Sascha Oeing und Ernie Rissmann hatten sich mit Ian Melrose und Beppe Gambetta hochkarätige Gitarristen und Unterhalter eingeladen. Foto: Michael Schardt

Den Auftakt zum dreiteiligen Gitarrengipfel gestaltete Ernie Rissmann (Gitarre, Gesang) selbst, begleitet von seinem Partner Sascha Oeing am Bass. Dabei zeigte sich das eingespielte Duo auf ihren Instrumenten mal als gewitzter Geschichtenerzähler („Soccer“), mal als Zeichner impressionistischer Momentaufnahmen. Abendstimmung im Münsterland wird ebenso eingefangen wie ein allgemeines „Dahingehen“. Schwungvolles Finale bildete Joe Jacksons „tango atlantico“.

Melodiös und lyrisch ist die Gitarrenkunst des Schotten Ian Melrose, der seit bereits 35 Jahren in Berlin lebt und die Inspiration der multikulturellen Musikerszene dort besonders liebt. Seine Stücke (bis auf eine Reminiszenz an den französischen Gitarristen Pierre Bensusan) ausschließlich Eigenkompositionen, sind von Sinneseindrücken in Stadt („Schlendern durch Florenz“) und Natur (Ostsee) beeinflusst, spielen auch gerne mit Musikzitaten – etwa aus Soundtracks bekannter Filme. Dass Melrose großen Spaß bei seinem Job hat, drückt nicht nur das heitere „Fingerpicker have more fun“ aus, sondern auch ein Stück, in dem der Konflikt eines Linienbusses mit einer Lokomotive („Molly versus 121“) ausgetragen wird.

Abschluss und temperamentvoller Höhepunkt eines beeindruckenden Instrumentalabends war der Auftritt des Italieners Beppe Gambetta, der seit Langem in den USA lebt und dortige Einflüsse in sein Spiel inte­grierte. Gefühlvoll trägt er altes italienisches Liedgut in heimischem Dialekt (und sogar auf Deutsch) vor, das er neu arrangiert hat; bei anderen Stücken schlägt er kräftige Töne in teilweise atemberaubendem Tempo an.

Emotionaler Schlusspunkt: der gemeinsam vorgetragene „Summertime“-Song.

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