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Pascale Feitner und Marlena Gundlach bespielen den Wewerka-Pavillon

Unter uns ist immer mehr

Münster

Ein Dach unterm Dach. Und es ist keine Ausstellung für Häuslebauer. Im Pavillon der Kunstakademie wird das Dach zur Projektionsfläche für Tiefgründiges.

Von Gerhard H. Kock

Ein Flachdach in der Vitrine: Feitner und Gundlach haben in den Wewerka-Pavillon Elemente installiert, die auch an eine gigantische Platine erinnern können. Foto: Gerhard H. Kock

Dieses Dach liegt in Münsters größter Vitrine und ist trotzdem kein Denkmal für Karlsson vom Dach. Dem „Mann in den allerbesten Jahren“ würde eine solche Missachtung nichts ausmachen: „Das stört keinen großen Geist.“ Solch unerschütterliches Selbstbewusstsein führt selten in die Tiefe. Dorthin aber möchten Pascale Feitner und Marlena Gundlach die Betrachter der neusten Installation im Wewerka-Pavillon führen. Deren anspielungsreiche Arbeit heißt „Unter uns“.

Gewährt die gleichnamige RTL-Serie seit bald 30 Jahren Einblicke in Alltagsdramen aller Art, soll und darf sich der Betrachter im Ausstellungsraum der Kunstakademie am Aasee seinen eigenen Dramen stellen. Was könnte unter diesem Dach vor sich gehen? Wer lebt dort und mit wem? Das Dach unter dem Pavillon kann zu einer Projektionsfläche der eigenen Vorstellungen werden. Schließlich bebildern Fantasien lediglich eigene Zustände von Gedanken und Gefühlen. Vielleicht kommt dabei sogar der ein oder andere Dachschaden ans Licht . . .

Für beide Künstlerinnen ist es die erste gemeinsame Arbeit überhaupt. Feitner und Gundlach haben sich zur Vorbereitung vor den Wewerka-Pavillon gesetzt und dann auf den Balkon der Wohnung in der Nordstraße. Beim Blick über die Stadt (die markante Architektur Stefan Wewerkas im Kopf) kam die Idee vom Dach.

Während Konstruktionen und Aufbauten auf Dächern in der Regel dem Diktat von Effizienz und Nützlichkeit unterworfen sind, lässt sich die Installation hier zudem grafisch lesen, einer gigantischen Platine nicht unähnlich. Schließlich sind beide Künstlerinnen auch grafisch unterwegs. Pascale Feitner ist Münsteranern vielleicht noch mit ihren „Augen“ an den Türmen des Domes im Rahmen der Ausstellung „Biete Frieden“ von 2018 in Erinnerung.

Dach überm Kopf

Angesichts der dunklen und wahrscheinlich bald kalten Jahreszeit kommt mit dem Dach vielleicht letztlich ein Lob der Bescheidenheit in den Sinn. In schweren Zeiten trösteten Menschen sich mit: „Hauptsache Essen und Trinken und ein Dach überm Kopf“. Es ist die Frage: „Was braucht der Mensch?“ Eine Frage, mit der sich 2014 auch der jüngst verstorbene Wilm Weppelmann beschäftigte, als er 30 Tage lang autark auf seiner Garteninsel auf dem Aasee lebte. Und in Münster gibt es den Verein „Dach überm Kopf“, der Wohnraum für sozial benachteiligte Gruppen organisiert. „Das Dach“ – eine Konstruktion mit Tiefgang.

Die Ausstellung ist bis zum 20. Dezember zu sehen – bei Dunkelheit mit Illumination.

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