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AaSeerenaden 2019

Unterm Regenschirm mit Wagner

Münster

Die zehnten AaSeerenaden erreichten am Samstag mit einer Wagner-Gala ihren Höhepunkt. Wer es sich unter dem Regenschirm gemütlich gemacht hatte, kam bei prächtigen Klängen des Sinfonieorchesters Münster und einem ebenso zündenden Feuerwerk auf seine Kosten. Aber es blieben natürlich einige Plätze auf den Aaseeterrassen frei. Am Sonntag dann lockerte es glücklicherweise wieder auf.

Harald Suerland

Wagner unter Regenschirmen genießen: Das ist bei den AaSeerenaden durchaus möglich. Münsters Generalmusikdirektor Golo Berg musizierte mit dem Sinfonieorchester Münster und den Solisten Iordanka Deroliva (Sopran, kl. Bild l.) und dem Tenor Müller. Foto: Wilfried Gerharz

Eine Zugabe nach „Isoldes Liebestod“? Was im Kontext einer Oper undenkbar wäre, funktioniert bei einer Konzertgala bestens. Deshalb durften am Samstagabend, nachdem Richard Wagners berühmte liebende Heldin „wie verklärt“ in der Musik zusammengesunken war, die nicht minder berühmten Kämpferinnen aus der „Walküre“ akustisch über die Aaseebühne donnern. Und wenn Münsters Sinfonieorchester den „Walkürenritt“ anführt, dann verschwinden sogar die hartnäckigen Regenwolken.

Hätte Generalmusikdirektor Golo Berg geahnt, welches Wetter sich da zum Höhepunkt der AaSeerenaden zusammenbraut, dann hätte er womöglich die Gewitterszene aus dem „Rheingold“ oder ein wenig „Fliegender Holländer“ aufs Programm gesetzt. So aber eröffnete er das Programm mit der sommerlichen Pracht des „Meistersinger“-Vorspiels, und dass man in den kontrapunktischer Verästelungen der pompösen Klänge auch überraschende Details (wie das Hauptthema in der Fagottstimme) heraushören konnte, lässt darauf schließen, dass Berg mit seinem Orchester zum Thema Wagner noch eine Menge zu sagen hat.

Orchester als Held des Abends

An diesem Abend dominierte zunächst „Tannhäuser“: Tenor Jürgen Müller sorgte gleich mit der fordernden, sehr plastisch gestalteten Rom-Erzählung für Staunen, während Sopranistin Iordanka Derilova bei der anschließenden Hallen-Arie noch gut damit zu tun hatte, ihr mächtiges Organ mikrofongerecht zu zügeln. Die Textverständlichkeit stand da nicht im Vordergrund – aber zum Glück stand ja Schauspieler Gerhard Mohr vom Ensemble des Theaters Münster parat, um knapp und gewitzt zwischen den Stücken zu moderieren: So bedauerte er den Helden Tannhäuser dafür, neben all seinen Nöten auch noch in einen Regenschauer geraten zu sein.

Eigentlicher Held des Abends jedoch, so muss es ja bei den AaSeerenaden auch sein, war Münsters Sinfonieorchester, das sich in Wagners effektvollen Partituren von der besten Seite präsentierte – sei es beim Kontrast zwischen Pilger- und Venuswelt in der Tannhäuser-Ouvertüre oder bei den Schmetterklängen im Vorspiel des dritten Lohengrin-Aufzugs. Als es sich mit Iordanka Derilova und Jürgen Müller in die faszinierenden Nachtstimmungen des ersten „Walküre“-Akts und des „Tristan“-Liebesduetts begab, bekam man tatsächlich noch mehr Lust auf Wagner – gern auch in einer „teuren Halle“ und ohne die dankenswerterweise bereitliegenden Regenschirme.

Begeisterungsfähiges Publikum

Was dem Tenor die „Gralserzählung“ aus „Lohengrin“, das ist der Sopranistin „Isoldes Liebestod“: Derilova behauptete sich glanzvoll in den Klangfluten des Orchesters, die trotz des Regens begeisterungsfähigen Zuhörer erklatschten sich den Zugaben-Hit. Und das Feuerwerk ließ abermals den Wunsch nach wagnerschem Feuerzauber (in der „Walküre“) aufkommen.

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