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Lillian Stillwell präsentiert ihr Tanz-Ensemble im Westfälischen Landesmuseum

Vielversprechender Vorgeschmack auf die Theatersaison

Münster

Lillian Stillwell, neue Tanztheater-Chefin am Theater Münster, gab mit „Furien“ im Rahmen des „Langen Freitags“ einen kurzen Einblick in ihre erste, noch im Entstehen begriffene Produktion. Am 17. September wird die Tanz-Sparte die Theatersaison unter der Generalintendanz von Dr. Katharina Kost-Tolmein eröffnen.

Die Tänzerinnen und Tänzer kamen ihrem Publikum im Landesmuseum ganz nah. Foto: Isabell Steinböck

Eine Tänzerin kommt mit ihren tastenden Händen so nah, bis sie die Zuschauerin vor sich beinahe berührt, andere tauchen plötzlich mitten im Publikum auf. In kleinen Gruppen bahnt das Ensemble einander Wege durch die Menge, bis die Tänzerinnen und Tänzer auf der improvisierten Bühne des LWL-Museums in der Mitte des Auditoriums aufeinandertreffen. Mit aufgerissenen Mündern, stampfenden Schritten und angewinkelten Armen strahlen diese Figuren etwas bedrohlich Archaisches aus. Tatsächlich handelt es sich hier um „Furien“, Figuren antiker, römischer Mythologie, die von Wut und Rache getrieben, unberechenbar scheinen.

Lillian Stillwell, neue Tanztheater-Chefin am Stadttheater, gibt mit „Furien“ im Rahmen des „Langen Freitags“ einen kurzen Einblick in ihre erste, noch im Entstehen begriffene Produktion. Am 17. September wird die Tanz-Sparte die Theatersaison unter der Generalintendanz von Dr. Katharina Kost-Tolmein eröffnen. „Furien“ scheint eine Choreographie, die diverse tänzerische Stile bedient, denn wie Stillwell jetzt schon verrät, „wandeln“ sich die Figuren innerhalb des Stücks, sodass am Ende Ruhe und Eleganz dominieren. Im Takt zur elektronischen Musik des Sounddesigners Randomhype (Christian Düchtel) zeigt das elfköpfige, internationale Ensemble, wie variabel seine Bewegungssprache ist. Schwingende, weiche Arme, lang gestreckte, hohe Beine, klassische Pirouetten sind zu sehen. Dem Publikum stellen sie sich als Charaktere unmittelbar in ihrer Landessprache vor: Während die eine Tanz als Ruhepol versteht, scheinen andere wahre Energiebündel zu sein, die sich erst allmählich auf der Bühne erschöpfen.

Stillwell selbst geht es sichtlich darum, Kontakte zu knüpfen. „Erschrecken Sie bitte nicht, wenn Sie mich auf der Straße sehen und ich Sie auf Tanz anspreche“, sagt die Tanzchefin lachend. Tanz sei nicht nur auf der Bühne, sondern auch „zwischen den Menschen“.

Dabei kann es auch darum gehen, gesellschaftlich-politisch Zeichen zu setzen. Das Bühnenbild etwa, ein Kons­trukt aus geometrischen Formen und Treppen, als Foto an die Wand geworfen, sei eine nachhaltige Tanz-Bühne, die zwei Jahre lang halten soll. Der altbekannte, beim Publikum äußerst beliebte Keelan Whitmore steht in Zukunft nicht mehr nur als Tänzer auf der Bühne, sondern agiert auch als Koordinator für Tanzvermittlung und Diversität. Projekte sollen nicht nur auf der Bühne, sondern auch im öffentlichen Raum stattfinden. Als Manager der Company zeichnet der ehemalige Profi-Tänzer und Ballettmeister Christian Maier verantwortlich.

Das Publikum dankte immer wieder mit herzlichem Zwischenapplaus: Ein vielversprechender Start.

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