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Offene Ateliers beim Förderverein Aktuelle Kunst

Von Scherz bis Schmerz

Münster

Höchst aktuell ist einige Arbeiten beim Förderverein Aktuelle Kunst: Putin und Klimakrise. Aber auch zum Staunen und zur Freude gibt es Anlass bei den neuen Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler.

Von Gerhard H. Kock

Thomas Kuhlenbeck malt postapokalyptische Szenarien auf die Leinwand und zeigt sie beim Förderverein Aktuelle Kunst Foto: Gerhard H. Kock

Der Förderverein Aktuelle Kunst spiegelt den Zustand der Welt wider: Ex­treme prägen das Bild. Und die Themen-Spannweite in den Arbeiten der gut ein Dutzend Künstlerinnen und Künstler nebst ihrer acht Gäste ist erheblich – vom witzigen Spiel mit dem Zufall bis zum blutigen Spiel mit dem Leben.

Kein anderes der Atelierhäuser Münsters greift Krieg und Klimakrise derart auf, wie das Haus an der Fresnostraße. Geradezu schmerzlich vermittelt dies Monir Nikouzinat in ihrem Atelier. „Während wir reden“ steht wie mit Blut geschrieben an der Wand, und auf dem Boden stehen zahllose Schälchen mit blutroter Flüssigkeit wie Fettnäpfchen herum; Zeichnungen roter Risse und Löcher wie Wunden, Fotos von Explosionen und Zerstörungen. Georg Hartung malt den Imperialisten und Kriegführer Putin als Todbringer.

Die Klimakrise setzt Thomas Kuhlenbeck postapokalyptisch ins Bild. Der Illustrator hat aus Internet-Fotos eine Collage erstellt und diese in Öl auf Leinwand gebannt. Unter dem verstörenden Chaos finden sich aber auch Details der Schönheit. Claudia Seibert kritisiert auf Großformaten sportliche Entertainment-Absurditäten wie Rasensport in der Wüste (Fußball-WM in Katar) oder eine Winterolympiade ohne Naturschnee (Beijing/China) und widmet zudem ihre Serienarbeit dem Klima. Ihre 90 sinnbildlichen Bilder tragen Titel wie „Schröder riecht Gas“ oder „Das große Eis ist krank“. Die drei „Klimastäbe“ für ihre Bilder sind zwischen Decke und Boden gespannt. Genau wie das bunte Hocker-Puzzle von Martina Muck – ein Zufall. Muck hat zehn Hocker und einen Stuhl derart geschickt zusammengesteckt, dass diese exakt raumhoch sind. Da ist nichts geschraubt, gesägt oder verlängert.

Katzenkugel führt Ballon übers Klo

Handwerkliches der dadaistischen Art baut alljährlich das Künstler-Duo Bettina Dettmer und Willi Kramer zusammen – skurrile kinetische Kunst, die mit Zufall, Strategie und Planung spielt. Über den Klos lassen die beiden einen Glitzerballon hin- und herschweben, geführt von einer Katzenkugel; ein Motor mit Unwucht schuckelt sie über eine Schiene.

Marion Niessing zeigt Malerei zum Thema Pflanzen, Natur und Landschaft, Blütenprächtiges wie die Eichenblatthortensie. Duniel Niehaus („Der moderne Dandy im Leistungsbezug“) von der „Hafenstraße 64“ zeigt Karikaturen, kleine Geschichten aus dem Alltag oder verpasst dem Bollenhut eines Schwarzwaldmädels rätselhafte Auswüchse zwischen Schmetterlingsflügel und Schlauchpilzen.

Anke Stellermann mit ihrer abstrakten Malerei hat als Gast Anne Fraaz, die Frauenbilder auf Tapete zeigt. Und Anke Gollub hat als Gast den Fotografen Ron Zwagemaker, der Wüsten-Fotografien ausstellt – trockene Gegend, aber schön.

Die Ateliers sind am Samstag und Sonntag (17. und 18. September) von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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