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Monika Gintersdorfer mit „Trio“ im Pumpenhaus

Von unten nach oben getanzt

Münster

In ihrer neuen Produktion „TRIO (For the Beauty of It)“ bringt Monika Gintersdorfer drei Tänzer aus unterschiedlichen Subkulturen zusammen. Ein spannender Abend im Pumpenhaus.

Von Helmut Jasny

Drei Tänzer vereinen im Pumpenhaus unterschiedliche Tanzstile zu einer Einheit. Foto: Claudia Ndebele

Die Gangart ist körperbetont, offensiv und stark rhythmisiert. Zuckende Arme, wirbelnde Beine und schwingende Hüften bestimmen das Bewegungsvokabular, mit dem sich die drei Tänzer auf der Bühne präsentieren. Manches wirkt artistisch, anderes parodistisch, aber alles ist auf Ausdruck gebürstet. Als virtuose Selbstdarstellung im Spannungsfeld zwischen Kunst und Quatsch könnte man ihr Treiben beschreiben. Und in den besten Momenten gelingt es ihnen, widerstreitende Tanzstile wie Salsa, Breakdance und sterbender Schwan in einer Figur zu vereinen.

In ihrer neuen Produktion „TRIO (For the Beauty of It)“ bringt Monika Gintersdorfer drei Tänzer aus unterschiedlichen Subkulturen zusammen, die alle eines gemeinsam haben – dass sie von unten kommen und dass sie sich da nicht verstecken wollen. Selbstermächtigung durch Tanz lautet ihr Credo. Dass man daraus eine ebenso dynamische wie unterhaltsame Show machen kann, die auch mit Selbstironie nicht geizt, zeigten sie am Wochenende im Pumpenhaus.

Carlos Martinez kommt aus der Sonidero-Szene, die in den Arbeitervierteln von Mexico City entstanden ist und mit lateinamerikanischen Rhythmen arbeitet. Alaingo, der für den verhinderten Ordinateur eingesprungen ist, vertritt den Couper Décaler, der sich in der ivorischen Diaspora in Paris entwickelte. Alex Mugler schließlich kultiviert mit Voguing einen Tanzstil, den New Yorker Homosexuelle geschaffen haben, um in der Gesellschaft sichtbar zu sein.

All das erfährt man in einem kleinen, reichlich mit Tanz illustrierten Vortrag. Und die Tänzer erklären auch, warum sie mit einem Selbstbewusstsein auftreten, das manchmal an Angeberei zu grenzen scheint – ein Ausdruck, gegen den sie sich übrigens verwahren. Tanz sei für sie eine Kunstform, wie man sich anderen zeigt, wie man von sich reden macht und wie man etwas sein kann, das man nicht ist, aber sein will, erklären sie.

In der Praxis sieht das dann so aus, dass Mugler im Minirock und mit gezupften Augenbrauen eine körperbetonte Tanzfigur auf die Bühne bringt, die an erotischer Ausstrahlung nichts zu wünschen übrig lässt, während sich der schlanke, langgliedrige Alaingo und der kleine, etwas angebauchte Martinez an einem ziemlich grotesk anmutenden Pas de deux abarbeiten. Am Ende der Aufführung gaben die Akteure die Bühne im Pumpenhaus in Münster für tanzwillige Zuschauer frei, bevor sie sich ihren verdienten Applaus abholten.

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