Kunstakademie und Kunsthaus Kannen im Dialog

Welten auf Wellenlänge

Münster

Kunst trifft Psychiatrie – welche Wellenlänge besteht zwischen den beiden, ist ein Unterschied erkennbar?

Gerhard H. Kock

Kunst am Baum: Studierende der Kunstakademie Münster haben sich mit Künstlern und mit dem Umfeld des Kunsthaus Kannen auseinandergesetzt – Charlotte Frevel und Fridolin Mestwerdt haben Totholz zu einer Vitrine gestaltet, in der Holzarbeiten zu sehen sind. Foto: G. H. Kock

Kunst trifft Psychiatrie – welche Wellenlänge besteht zwischen den beiden, ist ein Unterschied erkennbar? Lisa Inckmann (Direktorin des Kunsthaus Kannen) hat einen Lehrauftrag an der Kunstakademie Münster. 17 Studierende des jüngsten Kurses haben sich auf die Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Alexianer, den Sinnespark, die Künstler eingelassen. Die aus der Auseinandersetzung entstandene Werkschau vermittelt über unterschiedliche Medien wie Malerei, Zeichnung, Skulptur, Fotografie und Film den „kreativen Dialog mit psychiatrischen Situationen“.

Anna Ko erklärte Wolfgang Brandl zu ihrem „Kunstlehrer“ und kopierte seine Bilder während er sie malte, wie auf einem Video zu sehen ist. Die mit „Maus“ und „Wolf“ signierten Tierbilder unterscheiden sich verblüffend wenig. Lediglich minimal akribischer gesetzte Flecken scheinen die Kopistin der Kunstakademie zu enttarnen. Für den Betrachter eine lehrreiche Schulung von Wahrnehmung und Wertung künstlerischer Handschrift und Originalität.

Ganz anders bei Johannes Beyer und Lorenz Behr. Der Künstler der Kunstakademie und der Künstler der Psych­ia­trie haben sich gegenseitig porträtiert, ihr Antlitz, ihre Ausstrahlung. Dabei wirken die schroffen und markanten Bilder des Kannen-Künstlers Behr von Beyer kraftvoller als die erzählerisch vorsichtigen Behr-Porträts von Beyer.

Humor

Humor geht auch: Jan Prahm Miró, Robin Neumann und Peter Maria Volkhardt haben mit der Gartengruppe des Alexianercampus den Film „Die Jagd nach der Klamotte“ gedreht: Da wird gefragt, warum es im Stille-Garten ein Glockenspiel gibt. Oder ein Radler landet bei zwei Grad im Teich und jubelt, wie erfrischend es ist . . . Mit Sounds, ungewöhnlichen Perspektiven oder überraschenden Kommentaren erfährt der Sinnespark einen neuen Zugang.

Wilke Klees und Chisato Tomokiyo lieben als Künstlerinnen Comics. Die Japanerin mit Yonkoma-Manga (Comics mit vier Bildern) und die Kannen-Künstlerin mit Graffitis erzählen gemeinsam Alltagsgeschichten wie Waschmaschinenkauf oder Nässe bei Regen und kreieren dadurch eine eigene Bild- und Lebenswelt.

Die Ausstellung „Wellenlänge“ ist anregend für Intellekt und Sinne.

Die Ausstellung „Wellenlänge“ ist bis zum 29. März im Kunsthaus Kannen, Alexianerweg 9 ( 0 25 01 / 96 62 05 60), zu sehen.

Startseite