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Olaf Schubert in Münster

Wenn der Nachsatz ins Absurde führt

Münster

Olaf Schubert plaudert, rebelliert sanft und beherrscht die Kunst des pointierten Nachsatzes. Ein solcher Nachsatz führt das vorher Gesagte ins Absurde. Wir erklären, wie das in Münster funktionierte.

Von Eva-Maria Landmesser

Wie üblich mit Rauten-Pullunder: Olaf Schubert Foto: Landmesser

„Zeit für Rebellen“ heißt Olaf Schuberts neuestes Bühnenprogramm, womit er nicht zu viel verspricht. Obwohl sich der Comedian selbst-ironisch eher als „sanften Rebellen“ beschreibt, hat es seine provokante Darbietung durchaus in sich. Dem Publikum ge­fielen Schuberts Bemühungen, nicht nur die Gegenwart sondern auch die Vergangenheit zu erklären. Selbst nach der Zugabe wollten sie den Comedian nicht aus dem restlos gefüllten Con­gress-Saal der Halle Münsterland entlassen. „Man gibt euch den kleinen Finger und ihr nehmt den ganzen Olaf“, scherzte Schubert.

Der Grund, warum die ­provokanten Thesen des Comedians von anfänglichem Raunen in herzhaftes Gelächter übergingen, liegt in Schuberts Vermögen, eine freche Aussage durch einen nachgeschobenen Gag zu relativieren. Dies geschieht nicht etwa durch Ab­schwächung, sondern vielmehr durch eine Steigerung der ursprünglichen Aussage. Der zeitlich perfekt platzierte Nachschub führt dabei ins Absurde und hebt jeden Ansatz von Ernsthaftigkeit auf.

Schuberts Beiträge zu ­Sexismus, Gendergerechtigkeit und Umweltschutz – um nur eine Auswahl der behandelten Themen zu nennen – lauteten: „Erektionsstörungen gehören zum Alter … der Frau“, „Männer sind in der Vergangenheit immer nur aus Menstruationsneid in den Krieg gezogen, weil sie nicht von selbst bluten“ oder „Tiere, die sich bemühen und etwas anbieten (wie Hühner), werden auch nicht aussterben.“

Das Tempo von Schuberts Denk- und Sprechsynapsen ist Gabe und Herausforderung zugleich. So stellten ­seine Songs, die er mit Gitarrist Jochen Barkas und Multiinstrumentalist Herrn Stephan darbot, eine wohl­tuende Zäsur dar. Die Lieder im Western-, Chanson-, Hip-Hop- und Schlager-Stil haben Ohrwurmpotenzial, was den rebellischen Texten zugutekommt. Viele Lacher erzeugte auch Schuberts Interaktion mit Gitarrist Jochen.

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