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Musikkabarettist Bodo Wartke mit einem „Best of“

Wenn die Königin der Nacht lacht

Münster

Langeweile ist nicht sein Ding. Stattdessen kann Bodo Wartke musizieren, unterhalten, zum Nachdenken anregen ... In der Halle Münsterland präsentierte er Höhepunkte aus 25 Jahren.

Von Hans Lüttmann

Er kann so nonchalant wie Harald Juhnke und so giftig wie Georg Kreisler sein: Foto: Hans Lüttmann

Bodo at his best! Dieser Mann kann auf der Bühne alles; na ja, fast alles, denn eines kann er nicht: langweilen. In seinem Programm „Das Beste aus 25 Jahren“ pickte der Kabarettist, Pianist, Multiinstrumentalist, Aktivist, Dichter, Denker, Schauspieler, Sänger, Tänzer und Liedermacher Bodo Wartke in der Halle Münsterland die Rosinen aus bislang sechs Klavierkabarettprogrammen. Pandemiebedingt erst im Jahr 26 balanciert er fernab von marktschreierischer Flachwitzigkeit und Klamauk auf dem kabarettistischen Hochseil zwischen Ernst und Unterhaltung und durchpflügt wortakrobatisch Seelenlandschaften.

Oder mal ganz platt gefragt: Wer geht schon in eine Bodo-Wartke-Show, um Helene Fischers „Atemlos“ zu hören? Woraus der Tausendsassa jedoch ein völlig neues Musikgenre macht, indem er Gangster-Rap und Schlager in einem herrlich schrägen Song versöhnt. Überhaupt hat Wartke keine Scheu, auch unsere Literatur- und Musikgrößen zu veralbern, sei es Schillers „Bürgschaft“ oder Mozarts „Zauberflöte“. Bei der Oper ließ er den Vogelfänger aber zum gnadenlosen Vogelmörder werden und stellte für die „Königin der Nachts“ seine kongeniale Bühnenpartnerin Melanie Haupt ins Rampenlicht, die aus der Arie einen hysterischen Lachanfall macht. Urkomisch auch, wie sich Wartke über Schönbergs Zwölftonmusik hermacht oder herrlich quergebürstete Liebes-, Leid- und Fremdgehlieder zelebriert.

Aber Wartke kommt nicht nur nonchalant daher wie dereinst Harald Juhnke, giftig wie Georg Kreisler und elegant wie Hans Liberg, er löst spielend leicht die Grenzen zwischen E-und U-Musik auf und schafft es, künstlerischen Anspruch mit niveauvoller Unterhaltung zu vereinen. Und er kann auch ernst und sehr politisch, etwa wenn er in dem Lied „Nicht in meinem Namen“ leidenschaftlich mit religiösem Fanatismus abrechnet, wofür er tosenden Applaus des hingerissenen Publikums bekam.

Nach gut zwei Stunden gingen die Fans mit dem guten Gefühl nach Hause, einen Abend aus dem Leben und für das Leben genossen zu haben, an dem sich heiter-ironische Wortgirlanden um große, authentische Gefühle winden; die perlenden Töne, purzelnden Reime und den hintersinnigen Humor belohnte das Publikum mit tosendem Jubel.

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