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Zwischen Melancholie und Groteske: Raimund Hoghes Uraufführung „Songs for Takashi“ im Pumpenhaus

Wenn die Schönheit vergeht

Münster

So abwechslungsreich und unterhaltsam war Raimund Hoghe noch nie. Der renommierte Düsseldorfer Choreograf ist bekannt dafür, sehr reduziert und streng zu arbeiten, mit kleinsten Bewegungen, viel Wiederholung und Sinn für Stille. „Songs for Takashi“, Hoghes neues Stück, das im Pumpenhaus uraufgeführt wurde, sprüht dagegen geradezu vor Dynamik und Lebensfreude.

Isabell Steinböck

Dynamik und Lebensfreude verströmt das neue Tanzstück von Raimund Hoghe (r.), das dieser gemeinsam mit Takashi Ueno im Pumpenhaus präsentierte. Hier legen die Akteure gerade eine Blumen-Spur. Foto: Rosa Frank

Übertreibung rückt die Szenen freilich ins Groteske: Da galoppiert der zerbrechlich wirkende, bucklige Tänzer über die weite, helle Bühne (die Bühnenwand ist mit einem beigefarbenen Tuch abgehängt), ein imaginäres Lasso über dem Kopf schwingend wie ein Westernheld. Ein anderes Mal tritt er als gealterte Diva mit quietschbunter Sonnenbrille und goldfarbenem Mantel auf. Wenn er seine knallrote Plastiktasche künstlich-genervt von sich wirft oder sich kokett entkleidet, ist die Illusion perfekt.

Songs der 1960er, 1970er Jahre kreisen mit leichter Melancholie um Zeit und Vergänglichkeit. Hoghe inszeniert den japanischen Tänzer Takashi Ueno, einen seiner wichtigsten Protagonisten vergangener Produktionen, als Kraftquell der Jugend, wenn er ihn mit großen Sprüngen im Kreis tanzen oder kindisch hüpfen lässt, während aus dem Off Mary Hopkins „Those Were the Days“ tönt. Humorvoll und ironisch glorifiziert der Tänzer-Choreograf Vergangenes, bietet aber auch Raum für die zarte Schönheit des Abschieds, wenn er eine Spur aus Blumen legt oder sie auf ein imaginäres Grab wirft.

Takashi Ueno dagegen boxt sich im wahrsten Sinne des Wortes durchs Leben. Mit seinen kantig choreografierten Bewegungen wirkt er mitunter wie eine Marionette, den Oberkörper nach hinten gedehnt, scheint er immer wieder aus dem Gleichgewicht gebracht. Bestechend schöne Momente gelingen, wenn sich der schwarz gekleidete Tänzer, den Rücken zum Publikum, weich und filigran vor der hellen Bühnenwand bewegt, gleichsam ein Schatten seiner selbst. Beeindruckend auch Szenen, in denen Ueno zu spanischer Renaissance-Musik tanzt, eine androgyne Schönheit, die, mit hellem Tuch um Kopf und Oberkörper, Bewegungen von den Schultern bis in die Fingerspitzen auslotet. Letztlich lässt sich das Stück wohl auch als Hommage verstehen. Takashi Ueno hat es verdient.

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