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Performance mit Grenzüberschreitungen

Wie die Salatschleuder klingt

Münster

Sie wirkt wie eine Figur, die aus der Zeit gefallen ist: Ihr weißes Kleid ist hoch geschlossen, die blau-weiß gestreifte Kochschürze will nicht recht dazu passen, ebenso wie die gelben Post-Kisten, die mal als Tischchen, mal als Hocker dienen. Als die Performerin den Strunk einer Melone entfernt und das Obst mit Seidenstrümpfen umwickelt, wird Gewalt assoziierbar; man erwartet geradezu, dass der Melonen-Kopf mit einem Holzpflock zermalmt wird. Eines von wenigen Ereignissen, die sich mit Bedeutung füllen lassen.

Isabell Steinböck

Die weiße Frau mit einigen ihrer Performerinnen gibt den Zuschauern manches Rätsel auf. Foto: PR

Die meiste Zeit bleibt diese experimentell anmutende Performance abstrakt, geht es doch nicht darum, Inhalte zu transportieren, sondern Grenzen künstlerischer Mittel zu überschreiten: „Sprache wird Musik, Noten werden Worte, Waffen Instrumente“, sagt die Tänzerin, während sie ihr Publikum dazu auffordert, Geräusche bewusst wahrzunehmen. Wie klingt eine Salatschleuder? Oder eine Kunststoffschnur, die bis zum Zerreißen gespannt ist? Wenn sie Holzstäbchen in eine knirschende Masse drückt, werden Schritte wahrnehmbar, eine Spraydose vor dem Mikrofon verstärkt den Luftzug eines Holzstabes als Nahkampf-Objekt – Bilder, die sich hören lassen können.

„Clubbing“ ist der Titel dieser ungewöhnlichen Performance aus Tanz, Cello-Klängen und Geräuschen, die die Choreografin Keren Levi mit Komponist Tom Parkinson und sechs Tänzerinnen ihres Ensembles „I Neverlike“ im Pumpenhaus zur Premiere brachte. Ein Kunstwerk, das einem undurchschaubaren Konzept folgt, kreieren die Performer doch einen Organismus, der laut Programm „unberechenbar und chaotisch“ ist wie der menschliche Körper.

Da ist zum Beispiel der an bayerischen Schuhplattler erinnernde Volkstanz, passend zum Lederhosen-Outfit einer Asiatin, die einen Sprachmix von sich gibt, der mehr Klang als Bedeutung übermittelt. Dass die Sprechkaskaden mit einer altmodischen Schreibmaschine aufgezeichnet werden, vermittelt akustische Erinnerungen. Asiatisch anmutende Kampfszenen mit langen Holzstäben schließen sich an; ihre präzisen Bewegungen stehen optisch wie akustisch in Kontrast zu mit Kunststoff ummantelten Stäben. Mal scheinen die Schläge ernst gemeint, mal wirken sie wie ein virtuoses Spiel – spannend.

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