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Philippe Blanchards Tanzperformance im Kunstverein

Zappeln wie die Kinder

Münster

Die weißen Wände im Westfälischen Kunstverein schreien geradezu danach, bespielt zu werden. Ein klassischer White Cube als Ausstellungskonzept für Kunst jeder Art.

Isabell Steinböck

Projektion, Schattenspiel  und Tanz vermischten sich bei der Performance. Foto: Pumpenhaus

Die beiden Performer Andy Zondag und Roger Sala Reyner stellen sich selbst aus, wenn sie ihre Körper an die Wände beamen. Mal klein und unscharf, mal viel zu nah und in Großaufnahme, mitunter auch nur als Schatten (Lichtdesign: Maika Knoblich). Dabei versetzen sie sich in die Rolle von Kindern: Auf und ab hüpfend, winken und flattern sie mit den Armen, springen im Seitgalopp durch den Raum oder rennen auf der Stelle, als könnten sie es kaum erwarten, alles auszuprobieren, was sich mit Licht und Schatten nur anstellen lässt. Choreograf Philippe Blanchard scheint sich mit Kindern auszukennen: Was hier als Performance zu sehen ist, ließe sich eins zu eins auf reale kleine Jungs übertragen.

„There are no such things as silly things“ ist der Titel dieser Produktion, die in Kooperation des Kunstvereins mit dem Theater im Pumpenhaus entstanden ist. Thematisiert werden laut Programm (verrückte) Kinderspiele, Freundschaft, Wettkampf, Eifersucht und Entdeckungslust in einer fantasiegeprägten Bühnen-Realität.

Aus kindlicher Perspektive betrachtet, ist es kaum verwunderlich, dass die beiden als tollkühne, schwer verletzte Helden auftreten und, laut schreiend, ungezählte Tode sterben. Oder dass sie sich im Verlauf des knapp einstündigen Abends schminken, verkleiden und einander erschrecken. Skurril erscheinen sie als gesichtslose Bauchtänzer, witzig, wenn sie im Schulterstand, grotesk verdreht, an den Wänden lehnen. Die infantile Übertreibungslust lässt manchen Zuschauer auflachen, alles in allem wirkt die Performance jedoch wenig überraschend und im Ganzen zu beliebig.

Vor dem Hintergrund des Kindlichen scheint nichts ironisch gebrochen, verfremdet oder kunstvoll überhöht, obgleich die Performer ihre Rollen überzeugend spielen. Wer selbst Nachwuchs hat, kennt solches Verhalten zur Genüge. Andere denken vielleicht schmunzelnd zurück an die eigene Kindheit. Darüber hinaus vermittelt sich allerdings wenig – für ein abendfüllendes Stück ein enttäuschend dünnes Konzept.

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