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Lyrikertreffen: Uraufführung des Hörspiels „Mönster – Monster in Münster“

Zeiger zwischen Dunkelheiten

Münster

„Mönster – Monster in Münster“ nennen der Dichter Norbert Lange und der Komponist Martin Schüttler ihr Hörspiel, das sie beim Lyrikertreffen im Schlosstheater live aufführten. Dabei ging es um das Denken. Und das Denken ist ganz schön kompliziert.

Von Helmut Jasnyund

Komponist Martin Schüttler (l.) und Dichter Norbert Lange Foto: Jasny

Es beginnt mit einem gleichförmigen Rauschen. Dann hebt eine Stimme an und erzählt von einem feudalen Festmahl, bei dem ein Perückenkopf, ein überkritisches Kind sowie ein Esel samt zugehöriger Ohren auftauchen. Orangen kommen auch vor und verwandeln das statische Rauschen jetzt in ein dezidiertes Vorbeirauschen, das von einem sanften Knistern begleitet wird und in der Folge immer mehr an Tempo gewinnt.

„Mönster – Monster in Münster“ nennen der Dichter Norbert Lange und der Komponist Martin Schüttler ihr Hörspiel, das sie beim Lyrikertreffen im Schlosstheater live aufführten. Nebeneinander sitzen sie hinter schwarzen Pulten auf der Bühne, jeder im Schein einer Schreibtischlampe, der eine mit Mikrofon, der andere mit Laptop und Mischpult ausgestattet. Wer klassisches Werkzeug zu Klangerzeugung erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Dafür hatte es die Geschichte in sich.

Es geht um nichts weniger als das Denken. Dazu dichtet sich Lange in den Kopf seines lyrischen Ichs hinein und spürt dessen Gedankenstrom nach – zunächst in ganzen Sätzen, bald nur noch in einzelnen Wörtern, die sich schließlich in Silben und Buchstaben auflösen. Singend, krächzend, wimmern und wispernd geht das vor sich, während Schütte seine Klänge beisteuert. Ein bisschen an Jandl oder Schwitters fühlt man sich erinnert, aber avantgardistischer. Wozu auch passt, dass Schüttler mitten in der Vorstellung aus der Rolle fällt und jetzt mal ein ernstes Gespräch mit seinem Partner fordert.

Der Mund, der Kopf, das Sprechen, das Denken und wie das alles zusammenhängt oder nicht – das in etwa ist das Thema des Hörspiels, das als Auftragswerk für das Lyrikertreffen entstanden ist. Ein „Engel der Finsternis“ kommt vor und eine Uhr, „deren Zeiger zwischen Dunkelheiten hängen“. Milch und Honig triefen von der Decke, und wiederholt geht eine Tür auf, die den Protagonisten in dunkle Gänge (Gehirnwindungen?) führt. Hände legen sich auf seine Schulter, dann die alles entscheidende Frage: „War es das?“

Es ist nicht der einfachste Zugang, den Lange und Schüttler hier ins Innere ihres lyrischen Ichs legen. Aber wer wollte auch das Denken verstehen? Gelungen ist ihnen auf jeden Fall ein mal amüsanter, mal absurder, mal geheimnisvoller Einblick in das Chaos, das sich Mensch nennt.

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