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„Mutti Tasking – eine Chimäre?“ im Kinder-Jugend-Kulturhaus

Zwischen Künstlerin und Mutter

Münster

„Mutti Tasking – eine Chimäre?“ so heißt eine einstündige Performance, die der Frage nachgeht, ob Künstlerinnen als Mütter einem besonderen Druck ausgesetzt sind. Wir waren im Kinder-Jugend-Kulturhaus dabei.

Von Helmut Jasny

Die Performerinnen Sarah, Nanoko und Julia (v.l.) mit ihren Kindern im Kinder-Jugend-Kulturhaus Foto: Jasny

Das Kinder-Jugend-Kulturhaus in der Voßgasse hat nur eine Etage, aber die weist eine beträchtliche Größe auf. Einen eigenen Bereich für Workshops gibt es hier, ein Kultur-Wohnzimmer, einen Ausstellungsbereich, einen Wickelraum und eine Bühne für Aufführungen. Auf dieser haben sich am Sonntagvormittag die Bodytalk-Choreografin Yoshiko Waki und drei junge Mütter mit ihren Kindern versammelt. „Mutti Tasking – eine Chimäre?“ nennen sie ihre knapp einstündige Performance, die der Frage nachgeht, ob Künstlerinnen als Mütter einem besonderen Druck ausgesetzt sind. Das Ganze beginnt mit einer Art Interview. „Welche Wirkung wollt ihr erzielen?“, so werden die Kinder im Alter von acht Monaten bis drei Jahren gefragt. Und ob sie Angst haben zu scheitern. Die Antworten sind erwartungsgemäß nicht sehr gut verständlich, verraten aber ein gewisses Selbstbewusstsein seitens der Interviewten. Und die Sache scheint ihnen Spaß zu machen – dem dreijährigen Toma ebenso wie Ada und Lucia, die später von ihren Müttern in einer Modenschau mit Windeln über den Catwalk gewirbelt werden.

Kinder brauchen Betreuung, das weiß jeder. Um herauszufinden, wie viel und wie oft, stoppt man die Zeit, in der sich Toma allein mit einem Ball beschäftigt. Knapp drei Minuten ist das Ergebnis, und es wird als neuer Rekord gewertet. Allerdings ist da auch noch das Publikum, das die Aufmerksamkeit des Jungen von seiner Mutter Nanako ablenkt. Derweilen stimmt Sarah, Sängerin ihres Zeichens, eine Arie an, was die Kleinen aber nicht groß zu stören scheint. Insbesondere Lucia nicht, die jetzt von ihrer Mutter Julia gestillt werden will.

Das feministische Bild der Frau, die alles gibt, beschwört Julia gegen Ende der Vorstellung herauf, indem sie dem Publikum anbietet, ihre zweite, noch volle Brust leer zu trinken. Erst scheint es, als hätte gerade niemand Durst. Aber dann wagt sich doch eine Zuschauerin auf die Bühne und probiert zumindest einmal. Ein symbolträchtiger Anblick, mit dem nicht nur diese höchst originelle Performance ihren Abschluss fand, sondern auch das Gesamtprogramm in dem Raum, den die Volksbank der freien Kultur bis 26. Juni zur Verfügung gestellt hatte.

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