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Erstes Livekonzert in der Friedenskapelle

Zwölf Celli zwitschern wie ein Spatz

Münster

Was ist besser als ein Cello? Zwölf Celli! Und dann noch in der Friedenskapelle, wo es so lange keine Live-Konzerte mehr gab . . .

Von Arndt Zinkant

Die „12 Hellweger Cellisten“ hätten schon im Beethovenjahr 2020 in der Friedenskapelle spielen sollen: Jetzt eröffneten sie mit ihrem Auftritt die Nach-Corona-Konzertsaison. Foto: Arndt Zinkant

Ein süffiges Streicher-Menü war am Samstag in der Friedenskapelle zu hören. „Endlich mal wieder ein Konzert – ohne Maske!“ freute sich Tim Eberhardt, der künstlerische Leiter. Impfpass oder Schnelltestung vor Ort machten’s möglich. „Wir können nun voll durchplanen“, so Eberhardt weiter, und er versprach noch viele Highlights ab September.

Auftritt der „12 Hellweger Cellisten“: Acht Nationen auf dem Podium, die auf insgesamt 48 Saiten zu einem Höhenflug über den europäischen Kontinent ansetzten. Und gleichsam als Spiritus Rector gab Ludwig van Beethoven die Richtung vor; die Ausläufer seines Jubiläumsjahres 2020 wirkten fort. Motto: „Mit Beethoven durch Europa“. Und so rückten die zwölf mit den Cellobögen seiner „Pastorale“ zu Leibe. Mit allen geflöteten Nachtigall-Lauten in der „Szene am Bach“ oder dem Paukengrollen im Gewitter? Diese orchestralen Klippen wurden geschickt umschifft, denn das Arrangement hatte eine Art „Best of“ kompiliert, welches die Hauptthemen aller fünf Sätze im Schnelldurchlauf präsentierte. Erstaunlich: Diese Rechnung ging auf. Derlei Potpourris verführen zwar jeden Puristen zum Naserümpfen, machen aber im Rahmen eines Streicherkonzerts absolut Spaß.

Voller und süffiger Klang

Der Klang war voll und süffig, doch mussten empfindliche Ohren sich teils daran reiben, dass die Instrumenten-Stimmung offenbar auf die klimatischen Bedingungen im Saal reagierte. Auch das druckvolle Vibrato der leitenden Cellistin Felicitas Stephan minderte die Geschlossenheit.

Es liegt auf der Hand, dass jene Stücke die beste Cello-Figur machten, die bereits im Original stark auf Streicherklang setzen – wie Georg Friedrich Händels „Wassermusik“, welche in Auszügen satt und feierlich intoniert wurde. Auch die träumerisch schwebende Aura der Pavane von Gabriel Fauré wurde toll getroffen. Und „Åses Tod“ aus Griegs Peer-Gynt-Suite seufzte traurig aus den Bögen.

Aber die größte Überraschung: Zwei Edith-Piaf-Chansons wirkten so stimmig, als wären sie für zwölf Celli gedacht! Zwischen wiegendem Rubato und keckem Pizzicato zwitscherte der „Spatz von Paris“ charmant hindurch.

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