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Ein Jahr Corona

„Kurzarbeit war der Rettungsanker für die Wirtschaft“

Münster

Vor einem Jahr ging Deutschland zum ersten Mal in den Lockdown. Das hatte massive Folgen für den Arbeitsmarkt, auch in Münster. Die Arbeitslosenzahlen sind massiv angestiegen. Doch es gibt auch etwas Positives zu berichten.

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Kurzarbeit war der Rettungsanker für die Wirtschaft, sagt Joachim Fahnemann mit Blick auf das vergangene Jahr. Foto: Agentur für Arbeit

Vor einem Jahr ist das ganze Land in den Lockdown gegangen, von einem Tag auf den anderen waren Geschäfte, Dienstleistungsbetriebe und Unternehmen zu. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt waren enorm: Die Arbeitslosigkeit ist sprunghaft angestiegen, Kurzarbeit wurde in nie dagewesenem Ausmaß benutzt. Dennoch habe der Arbeitsmarkt bislang bemerkenswert robust reagiert, so die Bilanz der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster nach einem Jahr.

„Das, was am 16. März 2020 am Arbeitsmarkt passierte, war jenseits all unserer bisherigen Erfahrungen“, sagt Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. Die Telefone standen nicht mehr still. „Die Unsicherheit war groß.“

Kurzarbeit für mehr als 53.000 Beschäftigte

Besonders die Kurzarbeit habe den Unternehmen geholfen. Insgesamt 3856 Anzeigen auf Kurzarbeit für 53 019 Beschäftigte gingen im Jahr 2020 in Münster ein. Zum Vergleich: In der Spitze der Finanzkrise im Jahr 2009 waren es im gesamten Bezirk der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, also in Münster und dem Kreis Warendorf, 710 Anzeigen für 21 708 Arbeitnehmer. „Viele Arbeitgeber haben im März und April, unmittelbar nach dem ersten Lockdown, vorsorglich Kurzarbeit angemeldet“, so Fahnemann. Darunter waren zahlreiche Unternehmen, die vorher noch nie mit dem Thema Kurzarbeit in Berührung gekommen waren wie Friseurbetriebe, Arztpraxen, Einzelhandel, Kulturbetriebe und Fitnessstudios. „Dementsprechend groß war der Beratungsbedarf“, sagt Fahnemann

Nicht alle Unternehmen, die Kurzarbeit angemeldet hatten, haben das Instrument auch tatsächlich gebraucht. Die Kurzarbeit erreichte im Agenturbezirk bereits im April 2020 ihren Höchststand. „Für die Betroffenen war die Kurzarbeit der Rettungsanker, mit dem Entlassungen verhindert werden konnten“, urteilt Fahnemann. Dabei sei es besonders darauf angekommen, die Anträge schnell zu bearbeiten und die Zahlungen auf den Weg zu bringen.

Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster

Besonders hart von der Pandemie betroffen war und ist weiterhin das Hotel- und Gaststättengewerbe. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten brach in diesem Sektor im Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahr in Münster um mehr als 8 Prozent ein. Im Lebensmittelhandel wurde im Vergleich dazu sogar mehr Personal benötigt, heißt es in der Mitteilung der Jobagentur weiter.

Trotz des massiven Einsatzes von Kurzarbeit ist die Arbeitslosigkeit spürbar gestiegen. Ihren Höchststand erreichte die Zahl der Arbeitslosen im Sommer 2020. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sie sich im Juli in Münster um 23,8 Prozent auf 9894 Personen. Dabei habe es nicht vorrangig zahlreiche Entlassungen gegeben, erklärt Fahnemann: „Vielmehr fehlten neue Beschäftigungsmöglichkeiten für Arbeitsuchende und bereits Arbeitslose.“ Nach den Sommerferien setzte bereits eine Erholung am Arbeitsmarkt ein. Im Februar diesen Jahres lag die Zahl der Arbeitslosen in Münster bei 9161 Personen, 18 Prozent mehr als im Vorjahresvergleich.

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