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CDU-Ratsfraktion diskutiert über Gaskrise

Lage ernst – aber kein Grund zur Panik

Münster

Alle blicken nervös auf den Winter und fragen sich, ob dann das große Frieren angesagt ist. Auch die CDU-Ratsfraktion wollte es wissen – und lud zu einer munteren Diskussionsrunde ein. Der Tenor der Statements: Es besteht kein Grund zur Panik.

Von Klaus Baumeister

Bei der Genehmigung von Fotovoltaikanlagen, hier ein Archivfoto, gibt es zu viele bürokratische Hemmnisse. Das wurde bei der CDU-Veranstaltung thematisiert.

Münster ist ein großer Bürostandort. Also gibt es auch viele Unternehmen und Behörden, die über eine Idee nachdenken können, die der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Westfalen-Nord (IHK), Dr. Fritz Jaeckel, am Montagabend bei einer Diskussionsrunde der CDU-Ratsfraktion vorstellte. Um im Winter Energie zu sparen, schickt die IHK einen Teil ihrer Bürobediensteten ins Homeoffice und konzentriert die anderen in Büros, die nach Süden ausgerichtet sind. Die nach Norden ausgerichteten Bürotrakts können so von der Heizung abgeklemmt werden.

„Wie trifft die Gaskrise Münster?“, lautete der Titel der Gesprächsrunde, bei der Jaeckel einer von insgesamt fünf Referenten war. Ort dieser öffentlichen Veranstaltung war das Hauptausschusszimmer im Rathaus.

Keine „Gasnotlage“ in Sicht

Die Experten waren sich allesamt einig in der Einschätzung, dass eine „Gasnotlage“, so das offizielle Wort für ein Eingreifen des Staates, in diesem Winter nicht zu erwarten sei, gleichwohl Unternehmen und Privathaushalte mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen hätten. „Die Energiekosten sind der Inflationstreiber“, brachte es Stadtwerke-Hauptabteilungsleiter Özbay Özcan auf den Punkt. Als aus dem Kreis der Zuhörer deutliche Kritik an der Preispolitik der Stadtwerke geäußert wurde, sagte Özcan: „Wir bereichern uns nicht.“

Einig waren sich alle Experten in der Einschätzung, dass erneuerbare Energien zügig ausgebaut werden müssten. In diesem Zusammenhang verwies jedoch Stefan Raddant, Obermeister der Innung für Elektrotechnik in Münster, auf die komplizierten Genehmigungsverfahren für Fotovoltaikanlagen. Auch seien viele bestehende Anlagen auf 70 Prozent ihrer Kapazität gedrosselt.

Bürokratie blockiert das Handwerk

20 bis 30 Prozent des Personals in den Elektrobetrieben, so Raddant weiter, seien gebunden durch die gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen elektrischer Anlagen und Geräte. Hier sei es sinnvoll, die Kontrollintervalle zu verlängern, um so größere Personalreserven für die Energiewende zu aktivieren.

Der Obermeister ging auch kritisch auf die finanziellen Risiken ein, denen viele Handwerksbetriebe in Zeiten der Lieferengpässe ausgesetzt seien. Mitunter müsse der Unternehmer für Monate in Vorleistung gehen, bis alle Bauteile vorhanden seien, um einen Auftrag abzuarbeiten. Beim Stichwort Personalmangel konnte sich Raddant nicht die Bemerkung verkneifen, dass eine wachsende Anzahl an Auszubildende schwer ins Berufsleben zu integrieren sei.

Mehr als nur eine Herausforderung

IHK-Hauptgeschäftsführer Jaeckel griff diesen Ball auf und plädierte leidenschaftlich dafür, die aktuelle Gaskrise nicht getrennt von den sonstigen Herausforderungen zu sehen. Die Frage der geregelten Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte etwa sei bislang unbeantwortet.

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