1. www.wn.de
  2. >
  3. Muenster
  4. >
  5. Landgericht spricht Angeklagten vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs frei

  6. >

Clubnacht endet vor Gericht

Landgericht spricht Angeklagten vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs frei

Münster

Freispruch vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs. Ein 24-jähriger Mann ist am Montag vor dem Landgericht vom Vorwurf freigesprochen worden, vor drei Jahren eine damals 23 Jahre alte Frau missbraucht zu haben.

Maximilian Keldenich

Das Landgericht Münster verließ der 24-Jährige als freier Mann. Foto: dpa/Friso Gentsch (Symbolbild)

Es handelte sich um eine Berufungsverhandlung. In erster Instanz war der 24-Jährige vom Amtsgericht Münster zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden.

In der Nacht vom 6. auf den 7. November 2014 hatten sich der Mann und die Medizinstudentin in einem Club in Münster kennengelernt. Beide kamen sich dort näher und übernachteten in der Wohnung des Angeklagten. Die Frau warf dem Mann vor Gericht vor, dass er sich an ihr ungeschützt vergangen habe, während sie schlief.

Unsichere Aussagen

Der Richter begründete das Urteil damit, dass die Aussagen der Zeugin zu unsicher seien, um eine Verurteilung des Angeklagten zu rechtfertigen. Zudem gebe es kein medizinisches Gutachten, das auf den Tatvorwurf schließen lasse. Die Frau war an dem Abend stark alkoholisiert, wie sie vor Gericht selbst ausgesagt hatte, was ihre erheblichen Erinnerungslücken erkläre.

Am nächsten Tag habe sie den Vorfall ihren Freundinnen erzählt und sei erst dann zu der Überzeugung gekommen, dass sie missbraucht worden sei. „Sie hat dem Angeklagten aber in keiner Weise gezeigt, dass sie das alles nicht wollte. Es kann so gewesen sein, wie sie sagt, es reicht aber nicht für eine Verurteilung aus“, so der Richter.

Freispruch für den Angeklagten

Die Staatsanwaltschaft hatte ein Strafmaß von einem Jahr und sechs Monaten gefordert und hielt die Erinnerungen des Opfers für glaubwürdig. Die Verteidigung war von einer irrtümlichen Falschaussage der Frau ausgegangen.

Der Richter betonte: „Es gibt in diesem Fall nicht Schwarz oder Weiß. Es geht darum, ob es genauso war, wie die Zeugin es erzählt. Und da hatten wir erhebliche Zweifel.“ Der Angeklagte, dem die Anspannung im Gerichtssaal anzumerken war, nahm das Urteil erleichtert zur Kenntnis.

Mehr zum Thema

Zweifel an Vergewaltigungs-Vorwurf Was geschah nach dem Clubbesuch?

Prozess am Landgericht Was geschah wirklich nach der Clubnacht?

Startseite