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Missbrauchsfall Münster

Lebensgefährtin von Adrian V. sitzt in U-Haft

Münster

Neue Entwicklung im Missbrauchskomplex um den Münsteraner Adrian V.: Jetzt hat die Polizei dessen Lebensgefährtin festgenommen. Sie ist die Mutter des mutmaßlich am meisten missbrauchten Jungen.

Dirk Anger

Die Ermittlungskommission Rose ermittelt im Missbrauchsfall Münster. Jetzt wurde die Lebensgefährtin von Adrian V. festgenommen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Seit Monaten war sie im Fokus der Ermittlungskommission „Rose“, die den Missbrauchskomplex Münster aufklärt. Doch  lange schien es so, als hätten die Ermittler nicht genug  gegen die Lebensgefährtin von Adrian V. in der Hand. Am Freitag aber wendete sich überraschend das Blatt. Sabrina K. wurde festgenommen – wegen des Verdachts der Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern „in einer Vielzahl von Fällen“, wie es in einer Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft heißt.

31-Jährige soll vom Missbrauch gewusst haben

Die 31-Jährige soll spätestens seit Oktober 2018 davon gewusst haben, dass ihr Lebensgefährte, der seit Mai 2020 verhaftete Adrian V., ihren Sohn über Jahre schwer missbraucht haben soll. Die Missbrauchshandlungen soll Adrian V. der Mutter gegenüber während eines gemeinsamen Urlaubs eingestanden haben. Trotzdem soll es Sabrina K. toleriert haben, dass ihr Lebensgefährte teils allein mit ihrem Sohn quer durch Deutschland gereist ist. Als leibliche Mutter habe sie nichts unternommen, um den mutmaßlichen vielfachen Missbrauch ihres Kindes durch den Münsteraner zu unterbinden, so der Vorwurf.

Auch anderen Männern soll Adrian V., gegen den seit November der Prozess wegen schweren sexuellen Missbrauchs läuft, den Sohn seiner Lebensgefährtin zu Vergewaltigung und Missbrauch überlassen haben. Hinweise, dass Sabrina K. davon gewusst haben könnte, haben die Ermittler aber bislang offenbar nicht.

Missbrauch im gemeinsamen Urlaub?

Dass die Münsteranerin jetzt in Untersuchungshaft sitzt, scheint neben der Auswertung weiterer IT-Asservate auch der Aussage eines wegen sexuellen Missbrauchs angeklagten 27-jährigen Aacheners zu verdanken gewesen sein. Der Student soll zusammen mit Adrian V. den Sohn von Sabrina K. mehrfach missbraucht haben – darunter in der Wohnung des Münsteraners.

Und noch einen unfassbaren Verdacht hegen die Ermittler: Sabrina K. soll während eines gemeinsamen Urlaubs in Dänemark im Jahr 2019 ihren Sohn dazu ermuntert haben, eine sexuelle Handlung an Adrian V. vorzunehmen. Bei einer sich anschließenden schweren sexuellen Missbrauchshandlung soll sie dabei gewesen sein und diese nicht verhindert haben. Bislang schweigt die 31-Jährige zu allen Vorwürfen, wie es heißt.

Urteil gegen Michael H. für Mittwoch erwartet

Unterdessen nähert sich ein Strafverfahren im Missbrauchskomplex dem Ende. Für vier Jahre und acht Monate soll Michael H. aus Hannover ins Gefängnis, weil er sich des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes schuldig gemacht habe. Das forderte die Staatsanwaltschaft am Freitag, wie das Landgericht mitteilte.

Der angeklagte 50-jährige Mann gehört zum Kinderschänder-Netzwerk um Adrian V. Dessen damals neun Jahre alten Ziehsohn soll Michael H. im Jahr 2019 in drei Fällen in Hannover schwer sexuell missbraucht haben. Dorthin soll der Münsteraner den Sohn seiner Lebensgefährtin bewusst gebracht haben. Beim Tatort soll es sich um die Wohnung von zwei Männern handeln, gegen die derzeit ebenfalls vor dem Landgericht Münster verhandelt wird. Die Verteidigung von Michael H. hielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten für angemessen. Die Plädoyers fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil auch Teile des Verfahrens nicht öffentlich gewesen sind. Das Urteil fällt am Mittwoch um 11 Uhr.

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