1. www.wn.de
  2. >
  3. Muenster
  4. >
  5. Legende des Ost-Rock

  6. >

Silly im Interview

Legende des Ost-Rock

Münster

Die großen vier Bands der ehemaligen DDR sind die Puhdys, Karat, City und Silly. Letztere touren gerade mit ihrem aktuellen Album „Wutfänger“ und machen Halt in Münster. Unser Redakteur Carsten Vogel sprach mit dem Quartett über die AfD, Fans und den Münster-Tatort.

Carsten Vogel

Silly sind mit ihrem neuen Album „Wutfänger“ auf Tour. Jäcki Reznicek, Anna Loos, Ritchie Barton und Uwe Hassbecker präsentieren die neuen Songs, aber auch viele alte Hits Anfang November im Jovel. Foto: Ben Wolf

Viele Bands – wie Queen, Van Halen, Iron Maiden – waren nach dem Sängerwechsel nicht mehr sonderlich erfolgreich. 2006 seid ihr mit neuer Sängerin an den Start gegangen. Hattet ihr Angst, dass das schief geht?

Ritchie Barton: Die Wahrheit ist, dass wir vorher lange pausiert haben. Wir haben gesagt, dass die Band ruht und weiter im Hintergrund gearbeitet. Vielleicht ist die große Pause Teil unserer Erfolgsgeschichte

Uwe Hassbecker: Aber keiner von uns hat wirklich geglaubt, dass es nochmal funktionieren kann. Und kalkuliert haben wir da auch nichts.

Jäckie Reznicek: Wir haben aber mitbekommen, dass die Band in unserem Publikum weiterlebt: durch Reaktionen und Fragen an uns.

Waren die Fußstapfen von Tamara Danz so groß, dass sich da niemand herangetraut hat. Oder musste die neue Sängerin postulieren, sie selbst sein zu dürfen, um Silly voranzubringen?

Barton: Zu dem Zeitpunkt wollten wir niemandem zumuten, sich diesen Rucksack aufzusetzen. Aber die Entscheidung, weitermachen zu wollen, hat Anna selbst getroffen: „Wenn ick es mache, dann mach ick es aber alleene“ (lacht).

Das Publikum wollte euch ja zurück. Was ist das eurer Meinung nach? Pure Nostalgie?

Hassbecker: Das ist schwer zu sagen. Mit Tamaras Tod schien etwas weg zu sein, was für viele Leute, auch für uns, sehr wichtig war. Es gab keine andere Band wie Silly und gibt es auch heute nicht. Insofern war es folgerichtig und wichtig, unseren Weg konsequent weiter zu gehen.

Reznicek: Man möchte auch nicht aus der puren Nostalgie heraus agieren. Wir haben ja auch immer nach vorne geschaut und uns nie ausgeruht. Obwohl wir auch alte Songs spielen, wollen wir mit Neuem erfolgreich sein.

Stellt ihr einen Unterschied fest, wenn ihr in ost- oder westdeutschen Städten auftretet?

Anna Loos: Nein. Als wir angefangen haben, miteinander Musik zu machen, haben wir live vorwiegend die Songs vom „Paradies“-Album gespielt, weil die Band das damals aufgrund der Krankheit von Tamara nicht mehr konnte. Wir haben viel im Osten gespielt, im Westen kannte man die Band noch nicht so gut. Das hat sich mit den Jahren aber geändert. Hamburg ist zum Beispiel eine Silly-Hochburg geworden. Natürlich sind viele Hochburgen – aufgrund der geschichtlichen Bindung – im ehemaligen Osten: Dresden, Leipzig, Erfurt, Chemnitz. Aber das Konzerterlebnis ist echt identisch.

Eure Texte damals sind voll versteckter Andeutungen, um nicht der Zensur anheim zu fallen. Wie ist das, wenn ihr jetzt solche Gruppierungen wie Pegida im Osten erlebt?

Barton: Es war ja schon im ganzen Land zu spüren, dass es einen Rechtsruck geben würde. Das ist eine bittere Pille. Bei den Wahlen fand eine Abstrafung etablierter Parteien statt, die aber auch vergessen haben, sich um bestimmte Probleme der Menschen zu kümmern.

Hassbecker: Und dies immer noch nicht tun. Gerade vor Wahlen wird immer viel palavert. Manchmal ist das nur mit Kopfschütteln zu kommentieren, was da aus den Mündern kommt.

Und vermittelt ihr eure Haltung auch auf der Bühne, wenn ihr auf Tournee seid?

Loos: Unsere Haltung sagen wir sehr deutlich. Die spiegelt sich auch auf dem Album wider. Für uns ist die AfD keine Alternative für Deutschland. Aber es reicht nicht, nur einen Satz zu sagen, sondern man muss mit in den Dialog gehen. Es geht um Leute, die sich von Politikern allein gelassen und vernachlässigt fühlen. Das hat nicht nur mit der Flüchtlingspolitik von Frau Merkel zu tun. Es gibt viele andere Gründe, die den Leuten aufstoßen. Und auch, wenn wir dafür Verständnis aufbringen, sind wir sind schon unglücklich über die aktuelle Entwicklung.

Live

Mittwoch, 2. November, 20 Uhr, Jovel, Albersloher Weg 54. Für WN-Leser gibt es einen Vorteils-Coupon.

Schaut ihr euch eigentlich den Münster-Tatort an?

Loos: Immer. Und immer früher als alle anderen. Ich kenne ihn schon, wenn er fertig ist (lacht). Ich habe als Kind schon mit meinem Vater Tatort geguckt. Damals gab es die noch nicht wie Sand am Meer. Und dann durfte ich immer einen kleinen Schluck Bier aus dem Bierglas meines Vaters trinken. Heute sind es mir zu viele Teams und nur wenige, die ich wirklich gerne gucke. Und dazu gehört das Münster-Team definitiv. Meinen Mann und Axel Prahl finde ich darin einfach genial.

Noch ein Tipp von mir für das Konzert in Münster: Ihr solltet auf keinen Fall Trikots von Arminia Bielefeld, VfL Osnabrück oder SF Lotte tragen.

Silly: (lautes Lachen)

Loos: Da das ja unsere Tour ist und wir nicht eingeladen sind vom münsterischen Theater, um für die auswertigen Fußballvereine zu spielen, werden wir das nicht machen. Aber danke für die Vorwarnung (lacht).

Startseite
ANZEIGE