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Nachrichten Münster

Leineweber-Hochzeit mit 10 000 Gästen

Wolfgang Schemann

Münster - Die meisten Mitschüler ahnen es wohl noch gar nicht, dass Lisa Schneider - die jetzt die 13. Klasse des Hiltruper Kant-Gymnasiums besucht - in wenigen Wochen unter die Haube kommt: Am 11. September wird die 18-Jährige an der Ochtruper Marienkirche getraut. Und Lisas Hochzeit wird in etwas größerem Rahmen feiert. Man rechnet mit 10 000 Gästen . . .

Allerdings ist sichergestellt, dass Lisa trotz des Ja-Worts am anderen Tag wieder als ledig gelten kann. „Ich unterschreibe auch nichts“, lacht sie. Denn die Hochzeit ist ein großes Stadt- und Volksfest, bei dem die junge Hiltruperin die Hauptrolle spielt.

Man schrieb das Jahr 2003, als der Heimatverein Ochtrup auf die Idee kam, im Rahmen der City-Offensive „Ab in die Mitte“eine historische Hochzeit zu inszenieren - die „Leineweberhochzeit zu Ochtrup anno 1850“.

Als Vorlage diente eine Hochzeit, die vor 160 Jahren wohl tatsächlich in Ochtrup stattgefunden hat: Der Leinen- und Kaufhändler Henrich Arnold Volckeri verliebte sich damals in Anna Margaretha Caesem, ein Kind des Wanderglockengießers Heinrich Caesem aus Münster - das jener, wie der Heimatverein blumig formuliert, „neben seinen Glocken in Ochtrup hinterließ“.

Dass Lisa Schneider jetzt in die Rolle der Braut schlüpft, hat allerdings nichts mit dem münsterischen Glockengießer zu tun. Sondern mit ihren Großeltern, die bei der Leineweberhochzeit die Fäden ziehen. Und mit der Tatsache, dass Lisa im vergangenen Jahr schon mal kurzfristig eingesprungen war, als den Ochtrupern kurz vor ihrem Auftritt beim NRW-Tag in Hamm die bisherige Braut abhanden gekommen war.

Damals hat die 18-Jährige auch gemerkt, dass es durchaus seinen Reiz haben kann, in historische Gewänder zu schlüpfen und vor so vielen Leuten aufzutreten: „Das ist eine interessante Erfahrung für mich. Und deshalb freue ich mich darauf, dass ich das machen kann.“ Im Übrigen imponiert ihr auch, was ihre Großeltern mit dem Heimatverein in Ochtrup auf die Beine stellen: „Das ist echt der Hammer, was die da machen.“

Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Ochtruper diesmal bis zu 400 Mitwirkende in Trachten und Kostümen aufmarschieren lassen - die zum großen Teil selbst genäht sind und zwar aus Stoffen, die noch aus der ruhmreichen Vergangenheit der Ochtruper Textilindustrie stammen.

Und was sagen die Mitschüler im 21. Jahrhundert, wenn eine 18-Jährige mit dem Heimatverein ins 19. Jahrhundert entschwindet? Lisa lächelt: Kein Problem, sie stoße eher auf Zuspruch als auf Ablehnung. Und ein paar Freundinnen machen sogar mit.

Übrigens: Auch der Bräutigam, der am 11. September mit Lisa den Hochzeitswalzer tanzt („Das muss ich unbedingt noch üben.“), hat etwas mit der Westfalenmetropole zu tun. Tobias Konert (22) wohnt zwar in Ochtrup - studiert aber in Münster.

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