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Skulptur-Projekte

Lkw steht bis 1. Oktober an der Rothenburg

Münster

Der Lkw, der seit Tagen vor dem Landesmuseum steht, der darf das. Er ist nämlich ein Kunstwerk, das im Rahmen der Skulptur-Projekte präsentiert wird. Bis 1. Oktober bleibt das Fahrzeug dort stehen.

Martin Kalitschke

Die beiden Künstler Tom Burr und Cosima von Bonin sind für das Kunstwerk „Benz Bonin Burr“ verantwortlich. Der Lkw, auf dessen Ladefläche sich eine schwarze Holzkiste befindet, wird bis zum 1. Oktober vor dem Landesmuseum bleiben. Foto: Matthias Ahlke

Nein, der Lkw, der seit ein paar Tagen an der Rothenburg vor dem Landesmuseum steht, hat keinen Maschinenschaden. Er soll auch nicht das Museum und seine Besucher schützen. Der Lkw ist ein Kunstwerk der Skulptur-Projekte 2017 – und daher wird er dort bis zum 1. Oktober stehen bleiben.

Die Skulptur Henry Moores wird durch den LKW verdeckt

Für diesen Beitrag haben sich zwei Künstler zusammengetan, die sich seit den 1990er-Jahren kennen, wie Kuratorin Kristina Scepanski berichtet: der New Yorker Tom Burr und die Kölnerin Cosima von Bonin. Bonin war von den Machern der Skulptur-Projekte eingeladen worden, sich an der Kunstschau zu beteiligen. „Dabei wurde ihr vorgeschlagen, etwas auf dem Platz vor dem Museum zu machen“, berichtet Scepanski. Als Bonin davon hörte, dass nebenan, im Westfälischen Kunstverein, zeitgleich Arbeiten von Tom Burr zu sehen sind, entschlossen sich die beiden, für die Skulpturenschau etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen.

Ergebnis ist – wie Scepanski einräumt – „eine durchaus massive Arbeit“: ein Lkw, auf dessen Ladefläche sich eine große, schwarze und mit dem Wort „Fragile“, also zerbrechlich, beschriftete Holzkiste befindet. Dieser Lkw versperrt nicht nur teilweise den Blick auf die schicke Museumsfassade, sondern auch auf Henry Moores Bronzeskulptur „The Archer“, die dort bis 2019 als Leihgabe der Berliner Nationalgalerie zu sehen ist.

Das hat natürlich seinen Sinn, sonst würde das Kunstwerk dort nicht stehen. Die schwarze Holzkiste ist so groß, dass die Moore-Skulptur reinpassen würde. Der Lkw müsste nur noch gestartet werden – und schon wäre dieses großartige Werk der klassischen Moderne weg. Und genau so meinen es die Künstler auch: Die Skulptur „kann verstanden werden als der Versuch der Emanzipation einer jüngeren Generation von Bildhauern“, heißt es im Begleitheft.

Ideen entstanden vor den Terroranschlägen

Also kein Bezug zur Terrorbedrohung der vergangenen Monate. „Die ersten Ideen entstanden vor Nizza und Berlin“, sagt Scepanski – dort hatten Angriffe mit Lkw viele Tote gefordert. Seitdem werden bundesweit Großveranstaltungen – auch in Münster – durch parkende Lkw geschützt.

Zwei Unternehmen aus der Region ermöglichten übrigens neben Privatpersonen das Kunstwerk: Beresa und Schmitz Cargobull.

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