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Ungewöhnliche Schaufenster-Dekoration

Lockdown statt Hochzeitstraum

Münster

Wer Brautmoden verkauft, hat es in Corona-Zeiten besonders schwer. Bei „Anabella“ in Münster hat man darauf mit einer besonderern Schaufenster-Dekoration reagiert.

Dirk Anger

In Schwarz gekleidete Schaufenster-Puppen sollen bei „Anabella“ auf die düstere Lage des Handels hinweisen. Foto: Thomas Overmann

Häufig kommt der Hochzeitstraum in cremeweiß daher. Doch die Corona-Zeiten gleichen eher einem Albtraum. Und der spiegelt sich seit Weiberfastnacht im Schaufenster des Brautmodengeschäfts „Anabella“ am Servatiiplatz wider.Alle Schaufensterpuppen sind in dunkle Stoffe gehüllt, Lockdown statt Lebensfreude.

Wo sonst die Dekoration zur Karnevalszeit bunt und fröhlich daherkommt, der närrische Lindwurm vor der Ladentür vorbeizieht, herrscht jetzt Frust. „Ganz in Schwarz und keinen Blumenstrauß“ lautet die traurige Botschaft des Geschäfts, das sich einem bundesweiten Protest der Branche angeschlossen hat. „Wir haben Angst um unsere Existenz“, sagt Mitarbeiterin Ulrike Till. Die Lage der Einzelhändler seit dem zweiten Lockdown Mitte Dezember sei erdrückend.

Video soll Botschaft verstärken

Um auf die missliche Situation aufmerksam zu machen, hat das Team von Inhaberin Ana-Isabel Cubaixo-Stratmann nicht nur im Schaufenster ein Zeichen gesetzt. Ein knapp dreiminütiges Youtube-Video des Diplom-Designers Thomas Overmann soll die Botschaft verstärken.

„Wir brauchen unsere Bräute im Geschäft“, fordert Mitarbeiterin Till, die seit 35 Jahren Brautkleider verkauft. Das gehe eben nicht einfach über das Internet. „Man braucht die Beratung vor Ort.“ Manches könne die Frauen nur durch das Anprobieren sehen.

„Zeigen, dass wir noch da sind“

Nicht selten kämen Kundinnen zu ihnen ins Geschäft, die einst während ihres Studiums in Münster am Schaufenster vorbeigeradelt seien und sich Jahre später hier ihren Hochzeitstraum erfüllen wollten, erzählt Ulrike Till. Das geht seit 16. Dezember nicht. Stattdessen schiebt man dort einen Berg an Kleidern vor sich her. Dabei könnte man angesichts der Größe ihres Geschäfts ein Hygienekonzept gut umsetzen.

Mit der ungewöhnlichen Schaufenster-Dekoration willdas „Anabella“-Team aber auch ein Signal setzen. „Um zu zeigen, dass wir noch da sind, dekorieren wir alle zwei Wochen unsere Schaufenster um“, sagt Till.

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