1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Lückertz: „Bedenkliche politische Lage“

  6. >

Kramermahl des Vereins der Kaufmannschaft

Lückertz: „Bedenkliche politische Lage“

Münster

Zwei teure neue Schwimmbäder trotz des gewollten Schuldenabbaus, die „sprachlos machenden“ Vermarktungsabsichten bei der Clemens- und Dominikanerkirche und der mögliche Verkauf der Chillida-Skulptur – „einige Politiker gehen mit der Geduld, der Motivation und dem Engagement von vielen Bürgern fahrlässig um“, warnte Vorsitzender Matthias Lückertz beim Kramermahl vor 350 Gästen im Rathaus. „Wenn wir jetzt nicht aufpassen und ideologiegetriebene Motive der rote Faden der Stadtentwicklung werden, dann geht für alle Bürger viel verloren.“

Ralf Repöhler

Matthias Lückertz, Vorsitzender des Vereins der Kaufmannschaft (Mitte), forderte in seiner Tischrede ein großstädtisches Denken.
Matthias Lückertz, Vorsitzender des Vereins der Kaufmannschaft (Mitte), forderte in seiner Tischrede ein großstädtisches Denken. Foto: Werner

Der Vorsitzende des Vereines der Kaufmannschaft zu Münster fand bei seiner traditionellen Tischrede im Festsaal des Rathauses deutliche Worte in Richtung der linken Ratsmehrheit unter rot-grüner Führung. Die politische Lage wirke bedenklich. „Eine sachlich ausgerichtete Diskussion scheint sich wegentwickelt zu haben hin zu leeren Formen von politischem Symbolismus. Ganz nebenbei ist der Ton untereinander in Teilen ausgesprochen rüde bis beleidigend geworden“, sagte Lückertz.

Für die Zukunftsgestaltung Münsters forderte er „mutige und an der Sache orientierte Qualitätsentscheidungen aller Verantwortlichen“ – und nicht ein „Handeln, das sich an den Kategorien persönlichen oder parteipolitischen Machtgewinns orientiert“.

Lückertz ist sich sicher, dass sich die Bürger diesen Kurs in der Lokalpolitik nicht lange bieten lassen. Die Hauptaufgabe politischer Führung in Zeiten zerfallender Gesellschaften sei die Stärkung des Zusammenhaltes, den die Münsteraner immer wieder –  so beim Jahrhundertunwetter im Juli 2014 und bei den Anti-Pegida-Demonstrationen – unter Beweis stellten.

Der Vorsitzende unterstrich, wie bedeutend der neue Hauptbahnhof und „eine kluge Weiterentwicklung des Flughafens“ für den Wirtschaftsstandort seien. Die IHK-Region Nord-Westfalen hat fast 157.000 Betriebe mit einem Bruttoinlandsprodukt von 76 Milliarden Euro. In über 18.000 münsterischen Unternehmen, davon 24 Prozent im Handel, werden 150.000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

„Viel hängt von der Stimmung der Verbraucher als wichtigem Motor der Konjunktur ab. Der Handel unserer Stadt braucht also von der Politik die besten Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Zukunft“, erinnerte Lückertz auch an die leidige Debatte über verkaufsoffene Sonntage.