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Forum an der Katholischen Hochschule

Macht und Missbrauch – auch in der Kirche

Münster

Macht und Missbrauch – das sind für Christoph Röhl unselige Zwillinge. Der preisgekrönte Filmregisseur ist am 1. Juni Gast des Forums der Katholischen Hochschule. Der Missbrauch in der Kirche soll dabei nicht ausgespart werden.

Karin Völker

Christoph Röhl Foto: Privat

Die Katholische Hochschule (KatHo) am Standort Münster an der Piusallee will in diesem Sommersemester wieder ein Forum für die Diskussion brennender öffentlicher Themen sein. Am 1. Juni geht es – wegen der Pandemie nur digital – unter dem Motto „Systematische Tragödien“ um „Muster von Macht und Missbrauch“.

Subtile Muster sind immer dieselben

Referent und Gast der Veranstaltung, zu der sich mehrere Hundert Personen zuschalten können, ist der Filmemacher Christoph Röhl. In seinem preisgekrönten Dokumentarfilm „Und wir sind nicht die Einzigen“ sowie im Film „Die Auserwählten“ mit Ulrich Tukur und Julia Jentsch über den sexuellen Missbrauch an der Odenwaldschule, greift er diese Muster ebenso auf wie in dem viel diskutierten Film „Verteidiger des Glaubens“, der das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche, explizit im „System Ratzinger“ behandelt.

Die subtilen Muster von Macht und Missbrauch sind unabhängig davon, wo Missbrauch stattfinde, „immer weitgehend dieselben“, sagt Christoph Röhl im Gespräch mit dieser Zeitung. Der 54 Jahre alte Deutsch-Brite, hat 1989 bis 1991 als Englisch-Tutor an der Odenwaldschule – bis zur Aufdeckung der Missbrauchsstrukturen in Deutschland ein Denkmal der Reform-Pädagogik – lange gebraucht, bis ihm auffiel, was an der Schule unterschwellig vor sich ging. „Es war zunächst nur ein unbestimmtes Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung war“, sagt Röhl. Auch im Dokumentarfilm über den Missbrauch in der Kirche gehe es um die Strukturen, die den Missbrauch begünstigen – und seine Vertuschung.

Gesellschaftlich relevante Themen offen diskutieren

Prof. Dr. Ursula Tölle, die am Fachbereich Sozialwesen der KatHo das Forum organisiert, ist es wichtig, dass in der „öffentlichen Institution „Katholische Hochschule“ gesellschaftlich relevante Themen offen diskutiert werden“, wie sie sagt. Das Interesse an der Veranstaltung, die sich sowohl an die Studierenden als auch an die Öffentlichkeit wendet, sei schon jetzt sehr groß. Lehrkräfte, Erzieher, aber auch Priester hätten sich zu der Veranstaltung angemeldet.

Bei der zweistündigen Diskussion mit Christoph Röhl, die mit vielen Filmausschnitten illustriert wird, sei zentral, dass es um die Perspektive der Opfer gehe. Christoph Röhl hat zusammen mit der Autorin Doris Wagner zum Thema auch den Bestseller „Nur die Wahrheit rettet“ geschrieben. Er hat sowohl in der progressiv-liberalen Odenwaldschule als auch in der hierarchisch strukturierten Kirche festgestellt, dass der Mythos der Institution“ eine Ursache sei, warum wichtige Fragen nicht gestellt würden. „Auch eine Familie kann eine solche Institution sein“, so Röhl. Den Missbrauch anzusprechen, berge immer zerstörerische Kräfte für die jeweilige Institution.

Die Anmeldung zum Forum ist möglich per Mail unter forum.muenster@katho-nrw.de. Interessierte erhalten dann einen Zugangslink.

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