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Öffentliche Trauerfeier

Bewegender Abschied von Malte C.

Münster

Emotionaler Abschied: Auf dem Waldfriedhof Lauheide gab es am Dienstag eine Trauerfeier für Malte C. Der 25-jährige Transmann war nach einer Attacke am Rande des Christopher Street Day in Münster gestorben.

Rund 250 Personen nahmen am Dienstag auf dem Waldfriedhof Lauheide während der öffentlichen Trauerfeier Abschied von Malte C. , der Anfang September nach einem Angriff am Rande des Christopher-Street-Day (CSD) in Münster verstorben war. Foto: Matthias Ahlke

Malte C. hat Zivilcourage gezeigt und einen Konflikt mit Worten anstatt mit Gewalt lösen wollen. „Er hat sich für andere eingesetzt und musste dafür mit dem Leben bezahlen. Das ist unfassbar traurig“, sagte Bürgermeisterin Angela Stähler während der öffentlichen Trauerfeier für den 25-jährigen Transmann am Dienstag auf dem Waldfriedhof Lauheide in Münster. Dort ist der 25-jährige Transmann zuvor im engsten Kreis beerdigt worden. Sein Tod ermahne nun alle, dass „wir uns als Gesellschaft noch mehr für Mitmenschlichkeit und Toleranz sowie gegen Diskriminierung jeglicher Form einsetzen müssen. Das sind wir Malte schuldig“, sagte Stähler vor 250 Trauernden.

Gestorben war Malte C. Anfang September an seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus, nachdem er einige Tage zuvor am Rande des Christopher-Street-Day (CSD) in Münster nach einem Faustschlag mit dem Kopf auf den Boden geknallt war. Er hatte sich vorher für Frauen eingesetzt, die von einem Mann lesbenfeindlich beschimpft worden sein sollen. Sein Tod löste nicht nur in Münster, sondern bundesweit tiefe Trauer aus.

Rund 250 Trauernde auf dem Friedhof

So hat der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, einen Kranz geschickt. Auf dem Prinzipalmarkt in Münster hatten direkt nach der Tat tausende Menschen demonstriert, in sozialen Medien gab es eine Debatte über den Umgang mit queeren Menschen und an verschiedenen Gebäuden hingen während der Trauerfeier am Dienstag Regenbogenfahnen. Die 13 Vereine und Gruppen aus der Queeren-Community in Münster, die die Trauerfeier mit dem Amt für Gleichstellung der Stadt organisiert haben, hatten am Dienstag mit knapp 1000 Trauernden gerechnet. Auf dem Friedhof hatten sich am Ende nur rund 250 Personen versammelt. Sie wollten Abschied von dem 25-Jährigen nehmen, seine Zivilcourage würdigen und ein Zeichen gegen Queerfeindlichkeit setzen.

Sein Lachen sei ansteckend gewesen, erzählte Felix Adrian Schäper vom Verein „Trans*Inter*Münster“. „Wir werden es in Erinnerung behalten. Das gibt uns Trost“, sagte er. Der Verstorbene sei lange auf der Suche nach sich selbst gewesen. Doch als er erkannt habe, dass sein „Kopfgeschlecht“ ein anderes als sein „Körpergeschlecht“ sei, habe er den Mut gehabt, die Geschlechtsumwandlung anzugehen.

Felix Adrian Schäper

„Nach seiner Brust-OP fühlte er sich wie ein neugeborener Mensch. Er hat alle wissen lassen, dass er sehr glücklich gewesen ist“, berichtete Schäper und blickte auf den münsterischen CSD am 27. August zurück. Dieser sei einer der glücklichsten Tage im Leben von Malte gewesen. „Er ist zum ersten Mal mit freiem Oberkörper durch die Sonne gelaufen und genoss die Freiheit, so zu sein, wie er sich fühlt“, sagte Schäper. Denn nur für die Gesellschaft sei er als Mädchen aufgewachsen. Deswegen würde es auch Schäper glücklich machen, dass Malte nicht als Frau beerdigt worden sei. „Er wurde so beerdigt, wie er sich gefühlt hat.“

Sabine Heise und Thomas Roggatz von der Queergemeinde Münster betonten, dass sie auf eine Welt hoffen ohne Diskriminierung und Queerfeindlichkeit sowie mit respektvollem Umgang der Menschen miteinander – egal, wie sie leben und wen sie lieben würden. Ebenso würden sie die Hoffnung hegen, dass Menschen für eine offene und friedvolle Gemeinschaft eintreten. „Wir hoffen auch, dass Malte in unseren Herzen weiterlebt und seinen Frieden gefunden hat“, bemerkten sie.

Der Tatverdächtige, der nach dem tödlichen Angriff auf Malte C. verhaftet worden war, sitzt weiterhin wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge in Untersuchungshaft.

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