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WWU-Doktorandin erhält Vortragspreis

Männliche Unfruchtbarkeit besser verstehen

Münster

Doktorandin Nadja Rotte erhält einen Preis für ihre Forschung zu einem Thema, über das häufig nicht so gern gesprochen wird – und das doch so wichtig ist.

Foto: Luisa Meier

Medizinische Forschung ähnelt oft einem Puzzle mit vielen tausend Teilen. Um einer Krankheit auf den Grund zu gehen, muss man ihre Hintergründe und ihre genetischen Zusammenhänge verstehen – und das geht meist nur Schritt für Schritt. Das Team des Institutes für Reproduktionsgenetik (IRG) der Universität Münster haben sich in Bezug auf die männliche Unfruchtbarkeit das Zusammensetzen möglichst vieler Puzzleteile vorgenommen: In verschiedenen Projekten widmen sie sich deren Ursachen und Diagnostik. Die Doktorandin Nadja Rotte vom IRG wurde jetzt vom Dachverband Reproduktionsbiologie und -medizin e.V. (DVR) mit einem Vortragspreis über eines der Forschungsprojekte des Institutes ausgezeichnet.

In ihrer Präsentation auf dem Kongress der Fachgesellschaft hatte sie die neuesten Erkenntnisse über die Rolle des Gens M1AP vorgetragen. Die Auszeichnung ist mit 3000 Euro dotiert.

Weltweit ist ungefähr ein Prozent aller Männer von Azoospermie betroffen – das meint ein völliges Fehlen von Spermien im Ejakulat und eine damit verbundene Unfruchtbarkeit. Sind darüber hinaus auch im Hoden keine Spermien zu finden, sprechen Fachleute von einer nicht-obstruktiven Azoospermie, kurz NOA. Bedingt wird diese meist durch einen sogenannte meiotischen Arrest, bei dem die Kern- und die Zellteilung der Keimzellen zum Stillstand kommen und keine reifen Spermien mehr gebildet werden. Bereits 2020 identifizierte das Team des Institutes für Reproduktionsgenetik das Gen M1AP im Zusammenhang mit NOA und Störungen der Keimzellbildung; Mutationen in diesem Gen gelten seitdem als eine potenzielle Ursache männlicher Unfruchtbarkeit. Doktorandin Rotte und die Projekt- und Arbeitsgruppenleiterin Dr. Corinna Friedrich wollen genauer erkunden, welche Rolle das M1AP-zugehörige Protein bei der Spermienentwicklung genau hat – denn das ist bisher noch unklar.

Bei ihren Arbeiten nutzen sie unter anderem ein Mausmodell, das in Kooperation mit Prof. Moira O’Bryan von der Universität Melbourne entwickelt wurde. Damit wird die Situation von Männern mit fehlendem M1AP-Protein nachgestellt. So können spezifische und molekulare Untersuchungen vorgenommen werden, die Aufschluss über noch unbekannte zelluläre Hintergründe geben sollen. Durch diese Forschungen wächst die Hoffnung, dass die erlangten Erkenntnisse sowohl die Beratung als auch die Behandlung von Männern mit Fruchtbarkeitsstörungen verbessern.

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